Informationsfluss 3|2026:Erft-Renaturierung in Neuss-Gnadental

Titel Informationsfluss 3/26

Informationsfluss 3|2026

Der Informationsfluss ist die Mitgliederzeitschrift des Erftverbandes. Er erscheint viermal im Jahr und berichtet über die aktuellen Aufgaben, Projekte und Tätigkeiten des Verbandes.

Ein Blick auf die morphologischen Entwicklungen

Im Juni 2022 wurde der neue 1,8 km lange Flusslauf fertiggestellt. Heute, knapp vier Jahre später, hat sich das Bild der Erft bereits sehr verändert. Von der ehemaligen Baustelle ist nichts mehr zu erkennen. Die Erft nutzt ihre Bewegungsfreiheit und überrascht mit einem immer wieder neuen Aussehen.

Ziele der Renaturierung

Ein Ziel der Renaturierung war – und ist es fortwährend –, ein Flussbett zu entwickeln, das an die künftig niedrigen Abflussmengen nach dem Braunkohleausstieg gut angepasst ist. Entsprechend sollen sich in dem breit angelegten Gewässer Tiefenrinnen ausbilden, die bei Niedrigwasser ausreichend tiefe Wasserflächen auch für größere Fische bieten. Daneben sollen verschiedene Bankstrukturen (Kies-, Sand- und Schlammbänke) entstehen, die Habitate für die jeweiligen Vorlieben der Gewässerorganismen darstellen und bei Niedrigwasserabflüssen auch trockenfallen können. So wird der Niedrigwasserabfluss auf die Tiefenrinnen konzentriert und ein ausreichend tiefer Wasserstand erzielt.

Die Vernetzung der Erft mit ihrer Aue ist ein weiteres Ziel der Renaturierung. Kleinräumig sollten auch häufig vernässte Bereiche entstehen. Bereits bei kleineren Hochwasserereignissen sollte die Aue in Teilbereichen wieder geflutet werden. Bei seltenen Hochwasserabflüssen wird die Aue auch großräumig überschwemmt.

Erste Ergebnisse der Renaturierung

Die morphologische Entwicklung ist bereits in vollem Gang. Die bei der Baumaßnahme in die Trasse eingebauten Totholzelemente haben schon sehr schnell zur Ausbildung der gewünschten Strukturen geführt. Vor allem die mittig im Flussbett platzierten Einbauten führten rasch zu einer Ablenkung des Wassers an die Uferbereiche.

Die Draufsicht auf die naturnahen Strukturen und die Grafik darunter zeigen ein gutes Beispiel für die beschriebene sogenannte Morphodynamik. Die Verlegung der Erft mit Treibholz führte dazu, dass sich das Wasser einen neuen Lauf gesucht hat. Die da­raus resultierende Erosion der südlichen Böschung führte zur Ausbildung eines Steilufers, und die Ablagerung der aus der Böschung abgetragenen Kiese und Sande hat unterhalb vielfältige Gewässerstrukturen geschaffen. Der vorhandene alte Baumbestand entlang des neuen Flusslaufs ist eine gute Quelle für weiteren Totholzeintrag in die Erft und entsprechend Impulsgeber für künftige morphodynamische Entwicklungen.

Das zweite Ziel, die Verzahnung der neuen Erft mit der Aue, wurde ebenfalls erreicht. Die großflächige Flutung der Aue konnte im September 2025 beobachtet werden, als im Raum Bedburg Starkniederschläge auftraten. Die entstandene Hochwasserwelle erreichte auch das Projektgebiet und flutete die Aue großräumig.

Natürlich sind auch bei kleineren Abflüssen viele zusätzliche Wasser- und Feuchtflächen entstanden, die wiederum weitere Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.

Aufgrund der häufigen kleineren Flutungen der Uferbereiche konnten sich zahlreiche Samen gewässertypischer Gehölze ausbreiten. Im Frühjahr 2026 hat der Erftverband eine umfangreiche Entwicklung von Erlen, Weiden und abschnittsweise auch Ulmen festgestellt. Auch Wasserminze, Wasserehrenpreis und Seggen wachsen vor allem in den entstandenen wechselfeuchten Bereichen.

Die Natur erobert sich die vormals intensiv genutzte Aue zurück. Das zeigt sich auch daran, dass sich ein Biber angesiedelt hat. Es bleibt spannend, die weiteren Entwicklungen zu beobachten.

Renaturierungsplan des Neffelbachs, Drohnenansicht

Erft-Renaturierung in Neuss-Gnadental

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