Blaue
Infrastruktur

2024_michael_stolzmann_eisvogel_ast (6)

Gewässerrenaturierung und Abwasserbehandlung im Rheinischen Revier

 

 

Im Rheinischen Revier und damit auch im Rhein-Erft-Kreis steht mit dem geplanten Ausstieg aus der Braunkohle bis zum Jahr 2030 ein umfassender und notwendiger Strukturwandel bevor. Auch die Wasserwirtschaft sieht sich in diesem Kontext mit tiefgreifenden Herausforderungen und Veränderungen konfrontiert. Zu den zentralen Aufgaben gehören die Anpassung der Abwasserbehandlung an zukünftige Anforderungen sowie die Renaturierung von Fließgewässern. Diese Maßnahmen bilden die Grundlage für einen erfolgreichen ökologischen und wirtschaftlichen Wandel in der Region.

Das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union unterstützen diesen Prozess finanziell durch Fördermittel aus dem Just Transition Fund (JTF). Diese Mittel stehen gezielt für Projekte zur Verfügung, die die Verbesserung und den Schutz von Oberflächengewässern sowie die Weiterentwicklung der abwassertechnischen Infrastruktur vorantreiben.

Im Rahmen des Förderprogramms werden zurzeit die folgenden Projekte des Erftverbandes gefördert:

Gruppenklärwerk (GKW) Kenten: Errichtung einer Prozesswasserbehandlung

Das Vorhaben des Erftverbandes zur Errichtung einer zweistufigen Prozesswasserbehandlungsanlage in Bergheim-Kenten ist ein bedeutender Schritt zur nachhaltigen Verbesserung der Wasserqualität und zur Förderung einer ressourcenschonenden Wasserwirtschaft. Die Implementierung der Deammonifikation im Nebenstrom zur Stickstoffelimination bietet eine innovative und energieeffiziente Lösung, die nicht nur die Hauptstufe der Kläranlage entlastet, sondern auch die Reinigungsleistung optimiert. Eine bessere Ablaufqualität hat unmittelbare positive Auswirkungen auf das Einleitgewässer (Erft) und trägt zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts bei.

Der energieeffiziente Charakter der Deammonifikation, der durch den geringeren Bedarf an Belüftung und den Verzicht auf externe Kohlenstoffquellen erreicht wird, führt zu einer spürbaren Reduzierung des Energieverbrauchs. Dadurch sinken die Betriebskosten der Kläranlage, während die Gesamtenergiebilanz signifikant verbessert wird. Darüber hinaus bietet der geringere Energiebedarf die Möglichkeit, die Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort zu intensivieren und den CO₂-Fußabdruck der Anlage zu reduzieren.

Durch die nachhaltige Optimierung der Reinigungsprozesse wird nicht nur die Belastung der Umwelt minimiert, sondern auch die langfristige Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöht. Das Projekt stellt damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der europäischen Klima- und Umweltschutzziele dar und zeigt exemplarisch, wie technologische Innovationen und ökologische Verantwortung in der Abwasserwirtschaft erfolgreich miteinander verknüpft

Gruppenklärwerk Grevenbroich: Verbesserung der Nährstoffelimination

Grevenbroich Klärschlamm Silo

Auf dem GKW Grevenbroich wird die biologische Hauptstufe mit ihren Prozessen zur Stickstoff- und Phosphorelimination ertüchtigt. Dadurch wird eine Verbesserung der Eliminationsleistung bei gleichzeitig verringertem Energiebedarf erreicht. Die mittleren Nährstoffkonzentrationen im Ablauf der Kläranlage werden weiter gesenkt. Diese Maßnahme leistet gemäß dem Bewirtschaftungsplan einen Beitrag zur Verbesserung des ökologischen Potenzials der Erft im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).

Durch die Optimierung der vorhandenen Anlagentechnik wird die Effizienz der Abwasserbehandlung gesteigert. Gleichzeitig entstehen Leistungsreserven im Bereich der Abwasserreinigung, die im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels in der Region Potenziale zur Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben schaffen können. Dies fördert nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern trägt auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei.

Zusätzlich wird durch die Reduzierung der Nährstoffeinträge in die Erft das ökologische Gleichgewicht in den Gewässern unterstützt. Dies hat langfristig positive Auswirkungen auf die Biodiversität. Die Maßnahmen tragen somit nicht nur zur Verbesserung der Wasserqualität bei, sondern fördern auch die nachhaltige Entwicklung der Region. Die Kombination aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteilen macht dieses Projekt zu einem wichtigen Baustein für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft und regionale Entwicklung.

Gruppenklärwerk Nordkanal: Neubau 4. Reinigungsstufe zur Reduktion von Mikroschadstoffen

Der Erftverband hat auf der Kläranlage Kaarst-Nordkanal eine Anlage zur simultanen Dosierung von Pulveraktivkohle (PAK) in den Membranbioreaktoren (MBR) errichtet. Ziel ist die Reduzierung von Mikroschadstoffen aus kommunalem Abwasser (PAK-MBR-Verfahren). Dieses Verfahren bietet gegenüber der PAK-Zugabe im konventionellen Belebtschlammverfahren den Vorteil des vollständigen Rückhalts der PAK im Belebungsbecken. Dadurch entfallen ein separates Kontaktbecken sowie eine nachgeschaltete Filteranlage. Das PAK-MBR-Verfahren ist außerdem platzsparend. Dies ist insbesondere für die Kläranlage Nordkanal von Bedeutung, da dort die Flächenverfügbarkeit stark eingeschränkt ist.

Die Auslegung der Anlage basiert auf den Ergebnissen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Bewertung und Optimierung des Betriebs von Membranbioreaktoren bei simultaner Pulveraktivkohle-Zugabe“ („MBR-AKTIV“, 2019–2021). Dieses Projekt lieferte wertvolle Erkenntnisse zur Effizienz und Betriebsoptimierung des Verfahrens. Im Rahmen des Maßnahmenprogramms der Wasserrahmenrichtlinie wurde die Erweiterung der Kläranlage Nordkanal um eine vierte Reinigungsstufe im Frühjahr 2026 abgeschlossen.

Spurenstoffe können in konventionellen Kläranlagen nur unzureichend entfernt werden. Durch die Integration von PAK in den Membranbioreaktor werden die Mikroschadstoffe, wie Arzneimittelrückstände, Pestizide und Industriechemikalien, effizient adsorbiert und somit ihre Einleitung in natürliche Gewässer erheblich reduziert. Dies führt zu einer verbesserten Wasserqualität und trägt zur Erreichung der Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie bei. Zusätzlich bietet das Verfahren ökologische Vorteile durch die Vermeidung von nachgeschalteten Filteranlagen, da weniger Baumaterialien und Ressourcen benötigt werden. Insgesamt wird dadurch der ökologische Fußabdruck der Abwasserreinigung minimiert, was einen wichtigen Beitrag zur Förderung nachhaltiger und umweltfreundlicher Technologien darstellt.

Kläranlage Rödingen: Stilllegung und Überleitung des Abwassers zur leistungsfähigeren Kläranlage Elsdorf

Der Erftverband hat die Kläranlage Titz-Rödingen stillgelegt und leitet das anfallende Abwasser nun zur leistungsfähigeren und größeren Kläranlage Elsdorf. Durch den Anschluss der zweiten Kommune wird die Kläranlage Elsdorf zum Gruppenklärwerk.

Die Maßnahme gewährleistet eine effizientere und zukunftssichere Abwasserbehandlung. Zur Umsetzung des Projekts wurde die Errichtung einer neuen Pumpstation mit einer zugehörigen Druckleitung erforderlich, um den sicheren und zuverlässigen Transport der Abwässer nach Elsdorf sicherzustellen. Gleichzeitig wurden an der Anlage in Elsdorf umfangreiche Anpassungen der Verfahrenstechnik vorgenommen, um die Kapazitäten zu erweitern und die Energieeffizienz der Abwasserreinigung deutlich zu steigern.

Ein zentraler Fokus der Maßnahmen lag auf der Minimierung der ökologischen Auswirkungen der Abwasserreinigung, insbesondere auf den Finkelbach. Dieses Gewässer ist durch die Auswirkungen des Braunkohlenabbaus stark belastet. Durch die Entlastung des Finkelbachs und die Optimierung der Abwasserreinigung wurde ein signifikanter Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität und zur Wiederherstellung naturnaher Verhältnisse geleistet.

Zusätzlich trägt die gesteigerte Energieeffizienz der Anlage in Elsdorf, unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien und energieeffizienter Technologien, zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele der Europäischen Union bei. Die Umstellung auf modernste Verfahren ermöglicht zudem eine nachhaltige Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks der Abwasserwirtschaft.

Der Erftverband stellt im Rahmen des Projekts die Einhaltung aller wasserrechtlichen und umwelttechnischen Anforderungen sicher.
Für die Umsetzung der Überleitung waren umfangreiche Kanalbau- und Infrastrukturmaßnahmen notwendig. Parallel dazu wurden die Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten an der Kläranlage Elsdorf durchgeführt.

Die Inbetriebnahme der Überleitung erfolgte im Spätsommer 2026. Durch dieses Projekt wird nicht nur die Abwasserreinigung in der Region nachhaltig verbessert, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur ökologischen und klimatischen Transformation im Rheinischen Revier geleistet.

Kläranlage Kenten

Beiträge zu den Projekten

Modernisierung des Gruppenklärwerks in Kaarst-Nordkanal

PRESSEMITTEILUNG 34/2026 Erftverband entfernt Spurenstoffe mit Pulveraktivkohleanlage aus dem Abwasser Bergheim/Kaarst, 1. September 2026. Mit der Inbetriebnahme der neuen Pulveraktivkohleanlage (PAK) im Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal erweitert der Erftverband seine...

mehr lesen
Baustellenfortschritt Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal

Baustellenfortschritt Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal

PRESSEMITTEILUNG 46/2025 Inbetriebnahme der Spurenstoffelimination für 2026 geplant Bergheim/Kaarst, 9. Dezember 2025. Der Erftverband treibt den Ausbau der Abwasserreinigung im Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal weiter voran. Das Land Nordrhein-Westfalen und die...

mehr lesen