Neue Reinigungsstufe für den Swistbach in Betrieb

PRESSEMITTEILUNG 40/2026

Gruppenklärwerk Rheinbach-Flerzheim setzt auf Membranfiltration und Aktivkohle – 31,5 Millionen Euro investiert

Bergheim/Rheinbach, 6. Oktober 2026. Weniger Spurenstoffe, mehr Gewässerschutz: Im Gruppenklärwerk Rheinbach-Flerzheim ist nach rund drei Jahren Bauzeit eine neue Reinigungsstufe in Betrieb gegangen. Mit einer Kombination aus Membranfiltration und Pulveraktivkohle wird das Abwasser künftig deutlich umfassender gereinigt, bevor es in den Swistbach gelangt. Der Erftverband hat die Kläranlage zugleich von 50.000 auf 67.000 Einwohnerwerte erweitert. Insgesamt wurden 31,5 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau investiert. Das Land Nordrhein-Westfalen beteiligte sich mit rund 17,8 Millionen Euro. „Gerade im Sommer besteht der Swistbach zum Großteil aus gereinigtem Abwasser, das auch für landwirtschaftliche Belange genutzt werden könnte. Genau deshalb ist modernste Filtertechnik hier wichtig. Mit der vierten Reinigungsstufe verbessern wir künftig gezielt den Rückhalt von Mikroschadstoffen wie Chemikalien und Medikamentenresten sowie Mikroplastik aus dem Wasser, bevor sie in die Natur gelangen“, sagt Landesumweltminister Oliver Krischer.

Membranen filtern kleinste Partikel

Das Herzstück der neuen Anlage sind Membranen mit einer Porengröße von nur 0,04 Mikrometern. Sie halten Feststoffe und Mikroorganismen weitgehend zurück und verbessern auch den Rückhalt von Mikroplastik. Zusätzlich kommt Pulveraktivkohle zum Einsatz. Sie bindet im Abwasser gelöste Spurenstoffe – darunter Arzneimittelrückstände sowie Haushalts- und Industriechemikalien. Die beladene Aktivkohle wird anschließend zusammen mit den Feststoffen aus dem Abwasser entfernt. „Die neue Anlagentechnik verbindet eine leistungsfähige biologische Reinigung mit einem weitgehenden Rückhalt von Feststoffen, Keimen, Mikroplastik und gelösten Spurenstoffen“, erklärt Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbandes. „Damit ist das Gruppenklärwerk Flerzheim für die zukünftigen Anforderungen an einen modernen Gewässerschutz gut aufgestellt.“

Große Bedeutung für den längsten Bach Europas

Die Bedeutung der Kläranlage ist für den Swistbach besonders groß: In den Sommermonaten kann der gereinigte Ablauf rund 90 Prozent der Wasserführung des Flusses ausmachen. Das Wasser des Baches wird unter anderem zur Beregnung von Obst- und Gemüsekulturen genutzt. Stickstoff und Phosphor wurden bereits vor dem Ausbau weitgehend aus dem Abwasser entfernt. Die neue Reinigungsstufe verbessert insbesondere die Entfernung von Spurenstoffen, Feststoffen und Keimen. Auch die Kläranlage Rheinbach verfügt über eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination. Dort wurde 2019 im Rahmen eines Forschungsvorhabens ein Retentionsbodenfilter in Betrieb genommen. Damit erhalten die wesentlichen Kläranlagen im Einzugsgebiet des Swistbaches eine vierte Reinigungsstufe.

Ausbau schafft Perspektive für Swisttal-Miel

Mit der Erweiterung des Gruppenklärwerks wurde außerdem die Voraussetzung geschaffen, künftig auch das Abwasser der nahegelegenen Kläranlage Swisttal-Miel in Flerzheim zu behandeln. Die Überleitung der Kläranlage Swisttal-Miel ist Mitte 2027 vorgesehen. Die Anlage in Flerzheim nimmt derzeit Abwasser aus Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg sowie aus Teilen von Altenahr und Grafschaft auf.

Investition in die Zukunft

Der Ausbau der Anlage war zugleich eine umfassende Modernisierung des Standorts. Einige Anlagenteile stammten noch aus früheren Bauphasen. Einzelne Bauwerke gehen sogar auf die erste Kläranlage am Standort zurück, die 1967 in Betrieb ging. Der Erftverband will nun wissenschaftlich untersuchen lassen, wie sich die zusätzliche Reinigungsleistung auf die Wasserqualität des Swistbaches auswirkt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Veränderungen verschiedener Abwasserinhaltsstoffe und deren Bedeutung für das Gewässer. Mit der neuen Reinigungsstufe in Flerzheim wird damit nicht nur eine moderne Abwassertechnik in Betrieb genommen, sondern auch ein weiterer Schritt zum langfristigen Schutz des Swistbaches und des nachfolgenden Gewässersystems umgesetzt.

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