Renaturierung der Erft bei Erftstadt-Gymnich erreicht wichtigen Meilenstein
Mit der Flutung des neuen Gewässerbettes der Erft bei Erftstadt-Gymnich konnte im Herbst ein bedeutender Meilenstein in diesem großen Renaturierungsprojekt erreicht werden. Die Eröffnung des neuen Erftverlaufs erfolgte Ende Oktober 2025 am historischen Wehr im Erftflutkanal. Zahlreiche geladene Gäste, darunter der Minister des Landes Nordhrein-Westfalen für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Oliver Krischer, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung und der beteiligten Firmen waren der Einladung des Erftverbandes gefolgt. Gemeinsam mit zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern wurden die letzten Baggerschaufeln angezählt.
Umschluss und ökologische Begleitmaßnahmen
Somit konnten die Erdarbeiten für das neue Gewässerbett nach über einem Jahr abgeschlossen werden. Direkt im Anschluss an den Umschluss startete die Befischung. Der rund 2,5 km lange Abschnitt des Erftflutkanals wurde durch Fischereibiologen und Beschäftigte des Erftverbandes abgefischt. Nach erfolgreicher Umsiedlung der Fische wurde der alte Erftverlauf trockengelegt und verfüllt. In gleicher Weise wurde mit dem aufgegebenen Abschnitt der Kleinen Erft an der alten Wehranlage verfahren. Insbesondere in der Kleinen Erft wurden zahlreiche Fische vorgefunden. Vor der anschließenden Verfüllung wurden die beiden bestehenden und nun nicht mehr erforderlichen Brücken über den Erftflutkanal abgerissen. Die beiden historischen Wehre bleiben jedoch erhalten.
Der neue 5,5 km lange mäandrierende Flussverlauf ist an die natürliche Aue angebunden, die bei Hochwasser überschwemmt wird. Er konnte vollständig ohne Durchgängigkeitshindernisse gebaut werden. Ein für Fische und Makrozoobenthos passierbares Raugerinne sorgt jetzt für die Wasserversorgung der beiden hier abzweigenden Nebengewässer Kleine Erft und Türnicher Mühlengraben. Hier wurden circa einhundert große Steinsäulen aus Basaltlava aus einem Steinbruch in der Vulkaneifel mit einer Höhe von bis zu 2,7 m verbaut.
Technische Bauwerke und Hochwasserschutz
Ein neues zweifeldriges Schütztafelwehr in der Kleinen Erft ermöglicht weiterhin, insbesondere bei Hochwasser, die Steuerung der in Richtung der Ortslage Gymnich weiter fließenden Wassermengen. Ein neuer Schlammfang im Zulauf zum Türnicher Mühlengraben wird künftig den Sedimenteintrag in dieses Nebengewässer reduzieren. In der Nähe der Gymnicher Mühle ermöglicht eine Flachwasserzone nun die direkte Zugänglichkeit und damit die Erlebbarkeit des Gewässers.
Mit dem Einbau von zahlreichen vor Ort verankerten Totholzbäumen und Wurzelstubben wird die Erft bei der Ausbildung vielfältiger Strukturen in Sohle und Ufer unterstützt. Durch die Neutrassierung auf Flächen im Eigentum von Erftverband und Rhein-Erft-Kreis und den weitgehenden Verzicht auf Befestigungen von Sohle und Böschung kann sich die Erft hier jetzt eigendynamisch entwickeln. Lediglich einige kritische Stellen, z. B. an der Ein- und Ausleitung aus dem alten Gewässerbett, wurden mit Wasserbausteinen gesichert. Die Grünflächen wurden mit regionalem Saatgut eingesät. Größere Bepflanzungen sind im Rahmen der Maßnahme jedoch nicht vorgesehen.
Für einen zusätzlichen Hochwasserschutz wurde im Auftrag des Rhein-Erft-Kreises eine Überlaufschwelle zur ehemaligen Kiesgrube Türnich gebaut, die die Wassermengen bei seltenen Hochwasserereignissen dort hineinleitet. Zudem wurde hier für den Kreis ein zusätzlicher Objektschutz entlang der Kiesgrube mit dem vor Ort gewonnenen Schluff angelegt.
Projektabschluss und Monitoring
Der Abschluss der Gesamtmaßnahme wird im Frühjahr 2026 erfolgen. Als letzte Arbeiten werden die Wiederherstellung der Wirtschaftswege und die Anbindung der drei neuen Brücken an das Wegenetz erfolgen. Ein Monitoring in den nächsten Jahren wird die Entwicklung der Erft dokumentieren.




