PRESSEMITTEILUNG 14/2026
Eine neue wasserwirtschaftlichen Dimension für die Region
Bergheim/Mönchengladbach, 19. März 2026. Mit dem absehbaren Ende der Braunkohlengewinnung im Rheinischen Revier fällt der Startschuss für die Regeneration des Wasserhaushalts in der Region – vom Bergbaurevier hin zu einer zukunftsfähigen Wasserregion. Kern dieses Transformationsprozesses ist das Auffüllen der Tagebaue und der teilweise entleerten Grundwasserleiter mit Flusswasser. Ziel ist ein sich weitgehend selbstregulierender Wasserhaushalt, der grundwasserabhängige Feuchtgebiete natürlicherweise erhält, oberirdische Fließgewässer speist und eine Trinkwasserversorgung aus lokalen Quellen ermöglicht.
Flutung der Tagebaue – eine Generationsaufgabe
Ab 2030 wird Wasser aus dem Rhein in den Tagebau Hambach sowie aus der Rur in den Tagebau Inden eingeleitet. Ab 2036 folgt die Einleitung in den Tagebau Garzweiler. Die Flutung wird – je nach Tagebau – rund 25 Jahre (Inden), etwa 30 Jahre (Garzweiler) beziehungsweise bis zu 40 Jahre (Hambach) in Anspruch nehmen. Bis das aus den entstehenden Seen abströmende Wasser die Grundwasservorräte vollständig regeneriert hat, werden weitere zwei bis drei Jahrzehnte vergehen.
Mehrere wissenschaftliche Studien bestätigen, dass der Rhein auch unter den Bedingungen des Klimawandels über ausreichend Wasserressourcen verfügt. Die geplante Entnahme entspricht lediglich wenigen Promille der Abflussmenge des größten deutschen Flusses und beeinträchtigt weder die Ökologie noch die Schifffahrt.
Entstehung neuer Seen von einzigartiger Dimension
Zukünftiger Kern des Rheinischen Reviers und zentraler Baustein eines regenerierten und funktionsfähigen Wasserhaushalts werden die drei Tagebaufolgeseen sein. Deren Füllung mit Flusswasser ist zur Stabilisierung der Böschung zwingend erforderlich. Es entstehen einige der größten und – in Hambach mit bis zu 345 m – tiefsten deutschen Seen. Sie schaffen gleichzeitig Lebensraum für Tiere und Pflanzen und eröffnen neue Perspektiven für Tourismus, Naherholung sowie innovative wirtschaftliche Nutzungen, etwa in Form von schwimmenden Photovoltaikanlagen (Floating-PV). Vergleichbare Projekte dieser Größenordnung existieren weltweit bislang nicht.
Forschungsschwerpunkt See- und Grundwasserqualität
Die See- und Grundwasserqualität, die in den Seen ablaufenden physikalischen, biologischen und chemischen Prozesse (Limnologie) und ökologische Fragestellungen werden in den kommenden Jahrzehnten intensiv zu erforschen sein. Diese für die Region neuen wasserwirtschaftlichen Themen greift der Erftverband bereits jetzt gemeinsam mit Behörden und Nachbarverbänden auf. Ziel ist es, bestmögliche Voraussetzungen für die Seefüllung aus technischer, ökologischer und chemischer Sicht zu schaffen. Die gewonnen Erkenntnisse können gleichzeitig als Grundlagen der ausstehenden behördlichen Genehmigungen für die Einleitung des Flusswassers in die Seen verwendet werden.
Rheinwasseraufbereitung für die Sicherung der Wasserversorgung
Bei der Nutzung des Rheinwassers sind zwei Ziele zu unterscheiden.
Im sogenannten Nordraum nördlich des Tagebaus Garzweiler wird seit Jahrzehnten Wasser in die Grundwasserleiter infiltriert, um Feuchtgebiete, Fließgewässer und Wasserwerke vor den Folgen der bergbaubedingten Absenkungen zu schützen. Bislang wird hierfür abgepumptes Grundwasser (Sümpfungswasser) verwendet. Nach Bergbauende steht dieses nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung, sodass künftig auch Rheinwasser eingesetzt werden muss.
Die Grundwasserleiter, in die die Infiltration dort erfolgt, können im Rheinwasser enthaltene Spurenstoffe kaum zurückhalten oder abbauen, weil sie wenig natürliche reaktive Substanzen (wie Pflanzenreste, Eisenminerale oder Tonpartikel) enthalten. Außerdem erreicht das Wasser bereits nach wenigen Monaten die Brunnen der Trinkwasserwerke. Daher gilt ein besonders hohes Schutzniveau und die Spurenstoffe sind nach Auffassung des Erftverbandes durch eine entsprechende Aufbereitung zu entfernen.
Nutzen einer Rheinwasseraufbereitung für Tagebauseen fraglich
Anders stellt sich die Situation in den Bereichen dar, in denen das Flusswasser in die Tagebauseen eingeleitet wird. Dieses Wasser fließt überwiegend ins Grundwasser ab und durchströmt hierbei die sogenannten Abraumkippen. Hier lagern die im Tagebaubetrieb abgegrabenen Braunkohlennebengesteine. Diese enthalten viele Kohlereste und sehr reaktive Eisenminerale, die erst während des Tagebaubetriebs durch den chemischen Prozess – der sogenannten Pyritoxidation – entstanden sind. Die Eisenminerale stellen ein Selbstreinigungsvermögen für Spurenstoffe dar, weil sich diese an die neugebildeten Minerale anlagern können (Adsorption) und somit aus dem Grundwasser entfernt werden. Umfang und Wirksamkeit dieses natürlichen Rückhaltevermögens wird derzeit im Rahmen eines Gutachtens untersucht.
Eine Folge dieser Pyritoxidation ist jedoch die Freisetzung von Sulfat in hoher Konzentration. Dieses Sulfat gelangt aus den Abraumkippen ins Grundwasser und breitet sich großräumiger aus als die Spurenstoffe aus dem Rheinwasser. Die Sulfatausbreitung ist maßgebend dafür, dass dieses betroffene Grundwasser für eine Trinkwasserversorgung langfristig nicht genutzt werden kann. Das ist bereits in den langfristigen Wasserversorgungskonzepten des Erftverbandes für die gesamte Region berücksichtigt, um die Wasserversorgung zu sichern.
Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erftverbandes: „Eine zusätzliche Aufbereitung des Rheinwassers zur Spurenstoffentfernung hätte wegen der überprägenden Sulfatbelastung keine Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Grundwassers für die Wasserversorgung. Die langfristigen Wasserversorgungskonzepte des Erftverbandes zeigen, wie die Wasserversorgung in der Region trotzdem gesichert werden kann.“
Nachhaltige Sicherung der Wasserversorgung für die Region
Mit der Flutung der Tagebauseen und dem Wiederanstieg des Grundwassers wird die Grundlage für eine zukunftsfähige Wasserversorgung geschaffen. Ziel ist es, ausreichend Wasser in guter Qualität für Feuchtgebiete, Oberflächengewässer sowie Trinkwasser und industrielle Nutzungen dauerhaft zu erhalten. Das Rheinwasser übernimmt dabei eine unverzichtbare Rolle. Die wasserwirtschaftliche Transformation des Rheinischen Reviers stellt eine Generationenaufgabe dar – sie bietet jedoch die Chance, die Region nachhaltig ökologisch, ökonomisch und infrastrukturell zu stärken und die Wasserversorgung langfristig zu sichern.
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