Elektrobefischung

[Fangmethode, bei der Fische mittels eines schwachen elektrischen Feldes kurzzeitig betäubt und anschließend schonend aus dem Wasser entnommen werden. Dient wissenschaftlichen Erhebungen oder dem Umsetzen von Fischen in andere Gewässer.]

Elektrobefischung als schonende Methode zur Fischumsiedlung

Wenn Biologinnen und Biologen Fische in einem Gewässer fangen wollen, ohne ihnen zu schaden, greifen sie häufig auf die Elektrobefischung zurück. Diese Methode nutzt die Wirkung eines kontrollierten elektrischen Feldes im Wasser, um Fische kurzfristig bewegungsunfähig zu machen. Sie wird unter anderem eingesetzt, wenn Fische aus einem alten Bachabschnitt in einen neu gestalteten, renaturierten Gewässerlauf umgesiedelt werden müssen – so wie aktuell bei den Arbeiten am alten Erftflutkanal in Erftstadt-Gymnich.

Technik und Ablauf der Elektrobefischung

Die Ausrüstung wirkt unscheinbar, ist aber technisch ausgereift: Auf dem Rücken tragen die Fachleute ein tragbares Gerät mit Akku oder Generator. Über eine Stange, an deren Ende sich ein Ring befindet, wird der sogenannte Anodenstab ins Wasser getaucht. Das Gegenstück, die Kathode, befindet sich ebenfalls im Wasser – meist in Form eines Schleppkabels. Zwischen diesen beiden Polen entsteht ein elektrisches Feld. Die Spannung liegt dabei je nach Leitfähigkeit des Wassers in einem Bereich von etwa 300 bis 600 Volt Gleichstrom, die Stromstärke ist jedoch sehr gering.

Die Fische reagieren auf dieses Feld mit einer unwillkürlichen Schwimmbewegung in Richtung des Pluspols (Anode). Kurz bevor sie die Anode erreichen, werden sie für wenige Sekunden betäubt. In dieser Zeit können die Biologen sie mit einem Kescher behutsam aus dem Wasser heben. Anschließend kommen die Tiere in mit Frischwasser gefüllte Behälter, werden gezählt, vermessen und gegebenenfalls artbestimmt. Sobald sie sich erholt haben, werden sie ober- oder unterhalb des neuen Gewässerabschnitts wiedereingesetzt.

Bedeutung für Artenschutz und Gewässerökologie

Diese Vorgehensweise ermöglicht eine schonende Umsiedlung, ohne dass Netze über längere Strecken gezogen oder Fallen eingesetzt werden müssen. Gleichzeitig liefert die Elektrobefischung wertvolle Daten über den Fischbestand und die Artenvielfalt eines Gewässers. Sie ist daher nicht nur bei Umsetzungsaktionen, sondern auch im Rahmen von ökologischen Untersuchungen und Erfolgskontrollen nach Renaturierungen ein wichtiges Werkzeug.

Die Methode ist streng geregelt: Nur speziell geschulte Personen mit behördlicher Genehmigung dürfen Elektrobefischungen durchführen. Dabei steht der Schutz der Tiere an erster Stelle. Das Ziel ist stets, die Fische unverletzt und möglichst stressfrei in ihr neues Habitat zu überführen – und so sicherzustellen, dass das renaturierte Gewässer schnell wieder zu einem lebendigen Lebensraum wird.

 

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