Vier Jahre Interkommunale Hochwasserschutzkooperation Erft

PRESSEMITTEILUNG 24/2026

Erfolgreiche Zusammenarbeit in der Erft-Region mit Vorbildcharakter

Bergheim/Zülpich, 17. Juni 2026. Nach der Flutkatastrophe 2021 haben sich der Erftverband sowie Kreise und Kommunen im Erft‑Einzugsgebiet zur Interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft) zusammengeschlossen, um den Hochwasserschutz in der Region nachhaltig zu stärken. Seitdem wächst die Kooperation kontinuierlich, entwickelt gemeinsame Hochwasserschutzkonzepte und setzt erste Maßnahmen um. Vier Jahre nach ihrer Gründung umfasst sie drei Kreise, 18 Kommunen und den Erftverband als Projektleitung. Auf der Pressekonferenz am Zülpicher Wassersportsee zogen die Mitglieder im Beisein von Staatssekretär Viktor Haase aus dem Umweltministerium ein positives Resümee, besichtigten die erste interkommunale, durch das Land mit rund 2,7 Mio. Euro geförderte Baumaßnahme und gaben einen Ausblick auf die nächsten Schritte – darunter die weitere Beckenplanung und die Vertiefung der Zusammenarbeit, unter anderem im Regionalpakt für Hochwasserschutz Erft als Teil des Landespaktes für Hochwasserschutz.

Beteiligung und Informationsangebote für Bürger*innen

Über 100 Workshops haben bislang Transparenz in den Aktivitäten im lokalen und interkommunalen Hochwasserschutz geschaffen. Viele Bürger*innen trugen durch aktive Teilnahme mit zahlreichen Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Schutzmaßnahmen bei, die von den zuständigen Fachbüros ausgewertet und in das Kartensystem „WebGIS“ eingepflegt wurden. Die Workshop-Serien sind in den meisten Kommunen abgeschlossen.

Um den Bürger*innen die Komplexität und Zusammenhänge des Hochwasserschutzes näherzubringen, hat die hwsErft ihr Informationsangebot entsprechend ausgebaut. Neben einem Flyer mit den Basisinformationen zur Kooperation, sind zwei Erklärfilme entstanden – abrufbar auf der Website und dem YouTube‑Kanal des Erftverbandes. Sie vermitteln zentrale Grundlagen: Der erste Film erläutert die Unterschiede zwischen Starkregen und Hochwasser. Hier wird klar, warum effektiver Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung im Sinne des 10-Punkte-Arbeitsplans des Landes gedacht werden muss. Der zweite Film zeigt, wie natürliche Gewässerentwicklung und technische Schutzmaßnahmen ineinandergreifen. Auf der Website der hwsErft geben zudem interaktive Infografiken einen leicht verständlichen Überblick über Aufgaben, Maßnahmenansätze und die Bedeutung interkommunaler Zusammenarbeit. Für die Wissensvermittlung über Social Media wurden Steckbriefe der geplanten Hochwasserrückhaltebecken (HRB) erstellt. Die Kurzvideos zu den Baustellen-Updates erreichen in der Spitze bis zu 37.000 Impressionen.

Weitere Hochwasserschutzmaßnahmen

Zur Realisierung von weiteren HRBs steht der Erftverband in engem Austausch mit den kommunalen Planungsträgern und der Bezirksregierung Köln, um die Planungs- und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Folgende interkommunale

Hochwasserschutzmaßnahmen werden zurzeit bearbeitet:

  • HRB Kommerner Mühlensee – in Umsetzung
  • HRB Schwerfen – in Planung
  • HRB Möschemer Mühle – in Planung
  • HRB Schweinheim – in Planung
  • Hochwasserabschlag in den Zülpicher Wassersportsee – in Umsetzung
  • HRB Flerzheim – im Grunderwerb
  • HRB Vussem – in Planung
  • HRB Liblar – in Vorbereitung
  • Ausbau des HRB Garsdorf (Bestandsbecken) – in Vorbereitung
  • Gewässerausbau Schweinheim – in Planung
  • Gewässerausbau Hohenholzer Graben – in Planung
  • Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 20 Glesch – im Genehmigungsverfahren
  • Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 10 Grevenbroicher Bend – im Genehmigungsverfahren
  • Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 6-9 Erftaue Kapellen – in Planung

Kommunale Maßnahmen

Ergänzend zum Ausbau der interkommunal wirksamen Maßnahmen befassen sich die meisten Kommunen der hwsErft aktuell mit der Finalisierung der Maßnahmenkonzipierung. Die Hochwasserschutzmaßnahmen der Kommunen werden in definierten GIS-Projekten gesammelt, dem Erftverband übergeben und im Rahmen der Qualitätssicherung geprüft. Das Konzept der Stadt Euskirchen wurde bereits vom beauftragten Ingenieurbüro übergeben. Das Konzept der Stadt Bad Münstereifel wurde Ende Juni im Rat beschlossen. Parallel finalisiert der Erftverband die erste Fassung des Interkommunalen Hochwasserschutzkonzeptes, das die interkommunal wirksamen Hochwasserschutzmaßnahmen und die Maßnahmensteckbriefe der Kommunen umfasst.

Gemeinsame Lageeinschätzung verbessert Hochwassermanagement

Abseits konzeptioneller Überlegungen zum Hochwasserschutz und der konkreten Umsetzung von technischen Hochwasserschutzmaßnahmen, stärkt der Erftverband im Rahmen des EU-HORIZON-Innovation-Actions-Projekts DIRECTED die Schnittstelle zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz, um die Kommunikation während einer Hochwasserlage zu verbessern. Die gezielte Einbindung von Akteuren des Katastrophenschutzes der Landkreise, des LANUK und der Bezirksregierung Köln in Diskussionen und Planspielen (Tabletop Exercise) hat gezeigt, wie sich der Informationsaustausch während einer Hochwasserlage deutlich verbessern lässt.

Inzwischen wurde auch das Hochwasserinformationssystem (HOWIS) des Erftverbandes überarbeitet und ein Online-Meeting zur gemeinsamen Lageeinschätzung mit Akteuren des Erftverbandes und des Katastrophenschutzes der Kreise eingeführt. Dieses Online-Meeting wird mit der HOWIS Bereitschaftsstufe ausgerufen und ermöglicht eine gemeinsame Dateninterpretation bei einem wahrscheinlichen Hochwasserereignis sowie den Austausch und Abgleich von Informationen in Echtzeit. Der Erftverband und die Landkreise des Erft-Einzugsgebietes unterzeichneten die Vereinbarung zur gemeinsamen Lageeinschätzung im Rahmen der Pressekonferenz am 17. Juni. Seit dem Hochwasserereignis im Mai 2025 an der Swist wurde das Online-Meeting bereits dreimal erfolgreich durchgeführt.

Erftverband erweitert Messnetz und Modelltechnik

Der Erftverband baut im Rahmen des EFRE-Projekts Rivercast zudem sein Pegel- und Sensornetzwerk weiter aus, um die Informationslage im Einzugsgebiet zu verbessern. In diesem Zusammenhang wird das HOWIS-System technisch weiterentwickelt. Es wird die wesentlichen in HOWIS abgebildeten Mess- und Vorhersagedaten enthalten und um die neu installierten Sensoren ergänzt. Gleichzeitig fungiert dieses System als „Hülle“ für die Daten der kommunalen Frühwarnbestrebungen.

Fortführung der hwsErft und Regionalpakt für Hochwasserschutz Erft

Nebst den Bestrebungen der hwsErft zur Verbesserung des interkommunalen Hochwasserschutzes in der Erft-Region wird seitens des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein‑Westfalen (MUNV) die Gründung des Regionalpaktes für Hochwasserschutz Erft forciert. Dieser Regionalpakt baut auf den Strukturen und Zielen der hwsErft auf und soll langfristig die räumliche Ausdehnung der hwsErft auf das gesamte Einzugsgebiet der Erft sowie die Fortführung der Kooperation sicherstellen. Staatssekretär Haase betont: „Der Pakt bringt alle Beteiligten zusammen, damit wir Hochwasserschutz für ganze Flussgebiete denken und planen können. Das Ziel ist, den bestmöglichen Schutz für die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu erreichen.“ Darüber hinaus werden die Kommunen bei der Umsetzung kommunaler Hochwasserschutzmaßnahmen besser unterstützt. Durch den Einsatz von Koordinator*innen plant der Erftverband im Rahmen des Regionalpaktes für Hochwasserschutz, den Kommunen ein Unterstützungsangebot bei der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen und Updates 

Aktuelle Informationen, Baustellen‑Updates und Einblicke in laufende Hochwasserschutzprojekte veröffentlicht der Erftverband regelmäßig auf seinen Social‑Media‑Kanälen. Unter dem Hashtag #hwsErft finden sich zudem weitere Beiträge zu kommunalen Maßnahmen im Erft-Einzugsgebiet. 

 

Kurzinformationen aus den Kreisen und Kommunen

Kreis Euskirchen

Vier Jahre hwsErft stehen für gelebte interkommunale und überregionale Zusammenarbeit im Hochwasserschutz. Die Flutkatastrophe 2021 hat gezeigt: Wasser kennt keine kommunalen Grenzen. Umso wichtiger ist abgestimmtes Handeln entlang ganzer Gewässereinzugsgebiete. Die hwsErft bündelt Kommunen, Kreise, Wasserverbände und weitere Partner und bringt Konzepte, Risikoanalysen und Maßnahmen voran. Nun gilt es, die Planungen konsequent umzusetzen. „Mein Dank gilt allen Beteiligten für ihr Engagement. Die hwsErft bleibt ein wichtiger Motor für modernen Hochwasserschutz“, sagt Landrat Markus Ramers.

Rhein-Kreis-Sieg

Tim Hahlen, Dezernent des Rhein-Kreis-Sieg: „Die eng vernetzte interkommunale Zusammenarbeit der hwsErft ist wesentliche Grundlage für einen wirksamen Hochwasserschutz unserer Bürgerinnen und Bürger und Infrastrukturen. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch gemeinsame Strategien und Ressourcenbündelung weitaus resilienter gegenüber Extremwetterereignissen sind, als es im Alleingang möglich wäre. Dieser partnerschaftliche Ansatz ist ein entscheidender Baustein für eine effektive Hochwasservorsorge und eine wesentliche Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Region.“

Stadt Bad Münstereifel

In Bad Münstereifel hat der Rat Anfang Juni 2026 das kommunale Hochwasserschutzkonzept mit 20 präventiven Maßnahmen unterschiedlicher Bauart und Wirkungsweise beschlossen. Diese reichen von Rückhaltebecken und Schutzwällen bis zum verbesserten Abfluss in Gewässern. Da die Becken nicht im Dauerstau betrieben werden, ist weiterhin eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Flächen möglich. Insgesamt kann ein Retentionsvolumen von bis zu 500.000 m³ erreicht werden. Maßnahmen ohne aufwendige Genehmigungs- und Bauverfahren sollen innerhalb von zwei bis drei Jahren umgesetzt werden. Außerdem wird das Frühwarnsystem der Stadt derzeit um Bodenfeuchtesensoren erweitert.

Stadt Erftstadt

Carolin Weitzel, Bürgermeisterin der Stadt Erftstadt: „Die Hochwasserschutzkooperation Erft hat Vorbildfunktion und mit ihren Kooperationspartnern viel bewegt. Die Stadt Erftstadt setzt ihrerseits die Planungen zum Hochwasserschutzkonzept konsequent um. Die ausgearbeiteten Pläne müssen auch von den übergeordneten, genehmigenden Stellen mit gleicher Intensität begleitet werden, damit der Hochwasserschutz in Erftstadt und Umgebung schnellstmöglich verbessert wird. Das sind wir den Menschen in unserer Region schuldig“.

Kolpingstadt Kerpen

Mit der Erarbeitung des Hochwasserschutzkonzeptes für die Kolpingstadt Kerpen wurde ein Ingenieurbüro beauftragt. Mit der Erstellung wurde Anfang 2025 begonnen – das Hochwasserschutzkonzept soll bis Ende 2026 fertiggestellt sein. Im März und April 2025 haben Ortsbegehungen mit der beauftragen Firma, Vertretenden der Verwaltung und des Kreises sowie den Ortsvorstehenden stattgefunden. Die erste Runde der Bürgerworkshops hat am 16. September 2025 in Kerpen-Blatzheim und 24. September 2025 in Kerpen-Türnich stattgefunden. Kerpener Bürger*innen können aktiv an dem Konzept mitgestalten und z. B. Maßnahmenvorschläge äußern. Die zweite Runde der Bürgerworkshops wird im zweiten Quartal 2026 stattfinden. Über die konkreten Termine wird die Kolpingstadt Kerpen rechtzeitig informieren.

Stadt Rheinbach

Die Stadt Rheinbach entwickelt den Schutz vor Starkregen und Hochwasser gemeinsam mit der Bürgerschaft, Fachbehörden, Nachbarkommunen und der Hochwasserschutzkooperation Erft kontinuierlich weiter. Seit dem Flutereignis wurden Maßnahmen mit einem Volumen von rund 1,85 Millionen Euro umgesetzt. In den vergangenen zwölf Monaten wurden unter anderem das Fluttor Ramershoven errichtet, weitere Durchlässe instandgesetzt und Hochleistungspumpen für Flerzheim beschafft. Nach zwei Workshopreihen steht zudem das kommunale Starkregen- und Hochwasserschutzkonzept vor dem Beschluss. „Die interkommunale Zusammenarbeit ist eine wichtige Grundlage, um Maßnahmen wirksam und langfristig finanzierbar umzusetzen“, betont Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel.

Gemeinde Weilerswist

Bürgermeister Dino Steuer: „Wir als Gemeinde Weilerswist sind froh, Teil der Kooperation zu sein. Die diversen Untersuchungen zum Hochwasserschutz entlang der Erft, und über Kommunalgrenzen hinweg, haben viele Ergebnisse gebracht. Erst das Wissen und die Möglichkeiten, von der Quelle bis zur Mündung planen zu können, macht das gesamtheitliche Konzept erfolgreich und vollständig. Zudem wurden Wissenstransfer und Transparenz großgeschrieben. Im Gemeindegebiet Weilerswist werden aktuell Satellitenprojekte geplant und umgesetzt. Hauptsächlich sind dies Brückenbauwerke an denen die Durchflussquerschnitte im Zuge von Ersatzneubauten stark vergrößert werden, um Rückstau und damit Überschwemmungen zu verhindern. Bei den Oberlaufkommunen werden dagegen Rückhaltebecken vorgesehen, welche, wie unser Becken in Horchheim, dann wieder alle Unterlieger schützen. So leistet Jeder seinen Beitrag für den Erfolg des großen Ganzen.“

Stadt Zülpich

Ulf Hürtgen, Bürgermeister der Stadt Zülpich: „Die Realisierung des Hochwasserabschlags in den Wassersportsee ist ein Meilenstein für den Hochwasserschutz in Zülpich. Durch diese Maßnahme kann hier im Falle eines seltenen Hochwassers ein Retentionsvolumen von mindestens 800.000 m³ für den Hochwasserrückhalt genutzt werden. Dies wird über die Stadtgrenzen hinaus positive Auswirkungen haben. Gleiches erwarten wir von dem geplanten Hochwasserrückhaltebecken im Weingartener Tal oberhalb von Schwerfen, wo ein Rückhalteraum in der Größenordnung von rund 230.000 m³ zum Schutz der unterhalb gelegenen Ortschaften entstehen soll.“

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