Wasserwirtschaftsjahr 2018 endet zu trocken

Prof. Dr. Christian Forkel (stellv. Verbandsratsvorsitzender des Erftverbandes), Wolfgang Poschmann (1. stellv. Bürgermeister von Brühl), Prof. Dr. Ellena Werning (Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld/ Festrednerin), Dr. Bernd Bucher (Vorstand des Erftverbandes) und Dr. Matthias Schmitt (Zukunftspreis-Jury und Mitglied des Verbandsrates); v. l.

Nach dem vergleichsweise ruhigen Wasserwirtschaftsjahr 2017 endet das Wasserwirtschaftsjahr 2018 nach dem trockenen Frühjahr und Sommer auch mit einem deutlich zu trockenen Herbst. Dieses Fazit zog Prof. Dr. Christian Forkel, stellvertretender Verbandsratsvorsitzender des Erftverbandes, vor rund 180 Gästen auf dem Wasserwirtschaftssilvester des Verbandes am 31. Oktober in Brühl.

Neben den geringen Wasserständen in den Gewässern und deren Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt bildete die Spurenstoffagenda Erft einen Schwerpunkt der Verbandsarbeit im Wasserwirtschaftsjahr 2018. Dieses umfangreiche Projekt, das beim Erftverband quer durch alle Fachbereiche bearbeitet wird, sollte klären, welche Spurenstoffe in welcher Konzentration aus den kommunalen Abwasseranlagen in die Gewässer gelangen.

Hierzu untersuchte der Erftverband die an zehn seiner Kläranlagen und an zahlreichen weiteren Stellen im Verbandsgebiet genommenen Wasserproben auf 150 Stoffe – Rückstände von Arzneimitteln, Industriechemikalien oder Pestiziden sowie deren Abbauprodukte. Während die meisten Stoffe unauffällig blieben, bereitet vor allem ein Stoff Probleme: Diclofenac. Besser bekannt als Inhaltsstoff von frei verkäuflichen Schmerz- und Rheumasalben oder Tabletten. Die in den Wasserproben gemessenen Konzentrationen liegen deutlich oberhalb der in Nordrhein-Westfalen definierten Orientierungswerte. Die Analyse des Erftverbandes zeigt, dass sich dieser Stoff um maximal 70 Prozent reduzieren lässt, wenn alle zehn untersuchten Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe nachgerüstet würden.

Mit den anschließend vorgenommenen Machbarkeitsstudien für die zehn untersuchten Kläranlagen, konnte der Verband berechnen, dass die Kosten für eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination zwischen zehn und 20 Cent pro Kubikmeter Abwasser liegen würden.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Spurenstoffagenda Erft eine wichtige Grundlage darstellt in der Diskussion um Spurenstoffe und Spurenstoffelimination“, so Prof. Dr. Forkel. „Sie trägt dazu bei, die notwenigen gesetzlichen Anforderungen zu definieren und dadurch den Rahmen zu schaffen für das Inverkehrbringen der Stoffe, die Reduzierung von Pflanzenschutz- und Tierarzneimitteln, Maßnahmen in der Siedlungswasserwirtschaft sowie den möglichen Ausbau der Kläranlagen.“

Unabhängig von der Spurenstoffagenda Erft bearbeitet der Erftverband derzeit mehrere Projekte zur Spurenstoffelimination, die vom Land NRW gefördert werden. Seit Februar baut der Verband auf dem Gelände der Kläranlage Rheinbach einen Retentionsbodenfilter, über den das gereinigte Abwasser der Kläranlage geleitet wird. Das Besondere des Rheinbacher Filters besteht darin, dass zusätzlich zu der Schicht mit Filtersand auch eine Schicht granulierter Aktivkohle in das Becken eingebaut wird. Dadurch werden nicht nur feste und gelöste Schmutzstoffe zurückgehalten, sondern darüber hinaus auch bis zu 80 Prozent der Spurenstoffe. Dieser verbesserte Bodenfilter dient bei Trockenwetter als nachgeschaltete vierte Reinigungsstufe für die Kläranlage. Die Bauarbeiten kommen gut voran. Der Bodenfilter wird voraussichtlich Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen.

Darüber hinaus hat der Erftverband ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt für die Kläranlage Glessen beantragt, in dem das gereinigte Abwasser aus der Membrananlage über einen Filter mit granulierter Aktivkohle geleitet wird. Beim dritten Projekt auf dem Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal soll Pulveraktivkohle direkt in die Belebungsbecken mit der Membrananlage gegeben werden, um die Spurenstoffe ohne zusätzliche Reinigungsstufe zurückzuhalten.

Das Gruppenklärwerk Kaarst-Nordkanal nimmt beim Erftverband von je her eine besondere Stellung ein. Zur Inbetriebnahme 2004 war es die größte kommunale Kläranlage mit Membranbelebungstechnik. Seit Anfang 2017 erweitert der Erftverband die Anlage um eine Klärschlammfaulungsanlage mit Klärgasverwertung. Nur wenige kommunale Kläranlagen in Deutschland arbeiten mit dieser Kombination, was Nordkanal zu einem Vorzeigeprojekt bei der Nutzung regenerativer Energien in der Abwassertechnik macht. Auch hier sind die Arbeiten weit fortgeschritten.

Im Wasserwirtschaftsjahr 2018 konnte der Erftverband Genehmigungsunterlagen für mehrere große Renaturierungsprojekte fertigstellen und einreichen. Dazu gehören die Maßnahme am Erftpark in Euskirchen und das große Projekt in der Gymnicher Erftaue. Der Verband hofft nun auf ein zügiges Genehmigungsverfahren, um bald mit den Arbeiten beginnen zu können.

Im vergangenen Jahr hat der Gesetzgeber eine neue Klärschlammverordnung verabschiedet. Sie verpflichtet die Betreiber größerer Kläranlagen künftig, den im Klärschlamm vorhandenen Phosphor zurückzugewinnen. Bislang wird der Klärschlamm, der nach der Abwasserreinigung übrig bleibt, zumeist in konventionellen Verbrennungsanlagen Dritter mitverbrannt. Der im Schlamm enthaltene Phosphor wird dadurch derzeit noch dem Stoffkreislauf entzogen. Die Betreiber von Kläranlagen müssen daher ihre Klärschlammverwertung bis 2029 bzw. 2032 neu organisieren. Die Steb Köln, der Wasserverband Eifel-Rur und der Erftverband haben sich daher zu einer Kooperation zusammengeschlossen und werden zukünftig eng zusammenarbeiten, um neue Konzepte zur Klärschlammverwertung und Phosphorrückgewinnung umzusetzen.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei die Errichtung einer gemeinsamen, eigenen Monoverbrennungsanlage. Die im Juli geschlossene Kooperationsvereinbarung sieht die Gründung eines öffentlich-rechtlich getragenen Gemeinschaftsunternehmens vor. Ziel dieses Gemeinschaftsunternehmens ist es, eine gemeinsame sogenannte Monoverbrennungsanlage für den Klärschlamm der Kooperationspartner zu errichten und zu betreiben. Aber auch die Nutzung von Standorten mit Verbrennungsanlagen Dritter schließen die Kooperationspartner bei ihren Überlegungen nicht aus. Ziel ist, eine langfristig sichere, zuverlässige und kostengünstige ganzheitliche Lösung für die Verwertung von Klärschlämmen zu entwickeln.

Anders als das Kalenderjahr endet das Wasserwirtschaftsjahr mit dem Ende der Vegetationszeit im Herbst. Der Erftverband nutzt diese Gelegenheit, um seine Mitglieder und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Forschung einmal im Jahr zu einer besonderen Silvesterfeier einzuladen.

[Bergheim, 31. Oktober 2018]

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