Wasserwirtschaftsjahr 2016 – Erftverband zieht Bilanz

Den festlichen Rahmen des Wasserwirtschaftssilvesters, den der Erftverband am 28. Oktober auf Burg Geretzhoven in Bergheim feierte, nutze Dr. Uwe Friedl, Verbandsratsvorsitzender des Erftverbandes, um Bilanz zu ziehen. Denn anders als das Kalenderjahr endet das Wasserwirtschaftsjahr bereits am 31. Oktober.

Das Wasserwirtschaftssjahr 2016 war charakterisiert durch extreme Wetterlagen – Starkregen, Hochwasser, Hitzeperioden. Die Hochwasserereignisse im Frühjahr an Erft und Swist zeigten, wie wichtig eine gute Prognose für den Hochwassereinsatz ist. Hochwasserrückhaltebecken, die im Erfteinzugsgebiet auf ein 100-jährliches Hochwasserereignis ausgelegt sind, sowie natürliche Rückhalteräume an den Gewässern können Hochwasserspitzen deutlich verringern und schadhaftes Ausufern verhindern. Es zeigte sich aber auch, dass Unwetterwarnungen aufgrund der von den Wetterdiensten betriebenen Modelle zwar möglich sind, eine Vorhersage von Starkregenereignissen mit genauer Lokalisierung und zu erwartenden Niederschlagsmengen weiter schwierig bleibt. Die Wetterentwicklungen in diesem Jahr lassen jedoch nach Ansicht des Erftverbandes keine Rückschlüsse auf einen Klimawandel zu: „Aus den langjährigen Wetterbeobachtungen lassen sich für unsere Region keine eindeutigen Trends ableiten“, so Dr. Friedl vor rund 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Forschung.

Wirksame Gegenmaßnahmen zum Schutz vor Starkregenereignissen setzt der Erftverband derzeit gemeinsam mit der Stadt Meckenheim um. Die Stadt Meckenheim, deren Kanalnetz der Erftverband seit 2003 betreibt, war in den vergangenen Jahren mehrfach von Starkniederschlägen betroffen. Um das Kanalnetz in Meckenheim zu entlasten, entsteht an der Gudenauer Allee ein Entlastungskanal mit zwischengeschaltetem Regenrückhaltebecken. Bei zukünftigen Niederschlägen wird das Regenwasser aus der Kanalisation zunächst im Regenrückhaltebecken gespeichert und später gedrosselt in das Kanalnetz eingeleitet. Dieses Becken kann rund 1,5 Millionen Liter Wasser zurückhalten und wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 in Betrieb gehen.

Im Bereich Gewässer setzte der Erftverband mit dem Projekt „Sekundäraue“ an der Erft in Bedburg eine weitere Maßnahme aus dem Perspektivkonzept Erftumgestaltung 2045 um. Am rechten Ufer der Erft in Bedburg wurde hierfür auf einer Länge von 500 Metern das Erdreich rund drei Meter tief abgetragen. Dadurch entstand eine Fläche, die bereits bei kleineren Hochwasserereignissen als natürlicher Rückhalteraum dient. Mittlerweile sind die Erdarbeiten abgeschlossen. „Das wieder mit seiner Aue vernetzte Gewässer bildet einen wertvollen Baustein für die ökologische Entwicklung der Erft. Denn das Zurückgewinnen von Auenbereichen fördert die Entwicklung von neuen Lebensräumen im und am Gewässer. Das wird sich auch auf andere Abschnitte der Erft positiv auswirken“, so der Verbandsratsvorsitzende.

Und auch das nächste große Projekt der Erftumgestaltung in Neuss-Gnadental kommt gut voran: Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wurden die Antragsunterlagen im Frühjahr öffentlich ausgelegt. Das Verfahren ist inzwischen abgeschlossen, die Stellungnahmen ausgewertet. Sobald der Planfeststellungsbescheid vorliegt – voraussichtlich im kommenden Jahr –, beginnt der Erftverband mit der Ausführungsplanung.

Neben dem Naturraum „Gewässer“ bildete auch die Wasserqualität der Erft und ihrer Nebenflüsse einen Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Dabei geraten immer öfter die sogenannten Spurenstoffe in den Fokus: chemische Substanzen aus Medikamentenrückständen oder Industriechemikalien, die bis vor wenigen Jahren noch nicht nachweisbar waren und nur in sehr geringen Konzentrationen im Wasser vorliegen. „Welche Auswirkungen diese Stoffe auf Wasserorganismen haben, ist bislang kaum erforscht. Hier sind Forschungsprojekte notwendig, um mehr über diese Substanzen zu erfahren und wirksame Reinigungsverfahren zu entwickeln“, sagte Dr. Uwe Friedl.

In einer konventionellen Kläranlage mit ihren drei Reinigungsstufen können diese Stoffe bislang nicht aus dem Abwasser entfernt werden. Der Erftverband plant daher im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Kläranlage Bergheim-Glessen, Spurenstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern durch den Einsatz von Aktivkohlefiltern. Die Kläranlage bietet für dieses Projekt gute Voraussetzungen, da die hier zur Abwasserreinigung eingesetzten Membranfilter bereits jetzt sämtliche Feststoffe sowie nahezu alle Viren und Bakterien aus dem Abwasser entfernen. Gleichzeitig untersucht der Erftverband die Gewässerorganismen im Glessener/Pulheimer Bach, um die Auswirkungen und Effekte auf die Gewässerlebewelt direkt festzustellen. Seit Anfang Oktober liegt dem Erftverband der Förderbescheid des Landes Nordrhein-Westfalen vor, so dass das Projekt nunmehr beginnen kann.

Im kommenden Wasserwirtschaftsjahr, das am 1. November beginnt, wird der Erftverband weitere Kläranlagen stilllegen und das Abwasser zu größeren Klärwerken überleiten, da dies wirtschaftlicher ist. Nachdem die Kläranlagen Haus Bollheim Zülpich, Zülpich-Dürscheven und Rommerskirchen-Villau bereits stillgelegt wurden, baut der Verband derzeit einen Verbindungskanal zwischen den Kläranlagen Vettweiß und Vettweiß-Soller, der in Vettweiß-Gladbach an das Kanalnetz anschließt. Beide Anlagen entstanden Anfang der 1980er-Jahre und reinigen das Abwasser von insgesamt 3.600 Menschen. Diese Anlagen werden nach Abschluss der Arbeiten stillgelegt. Denn durch das Überleiten des Abwassers zum Gruppenklärwerk Nörvenich verhindert der Erftverband hohe Investitionskosten für die Sanierung der beiden kleinen Anlagen und nutzt das größere Gruppenklärwerk in Nörvenich effizienter aus, das für rund 15.500 Menschen ausgelegt ist. Diese im Masterplan Abwasser 2025 zusammengefassten Maßnahmen sehen vor, bis zum Jahr 2025 insgesamt 19 Kläranlagen des Verbandes stillzulegen und das Abwasser auf den verbleibenden Kläranlagen zu reinigen. Für die Kläranlagen in Mechernich-Glehn und Mechernich-Floisdorf hat der Erftverband mit den Planungen begonnen. Beide Anlagen sollen voraussichtlich 2017 bzw. 2018 stillgelegt und das Abwasser zum Gruppenklärwerk Obergartzem-Enzen übergeleitet werden.

[Bergheim, 28. Oktober 2016]

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