Wasserwirtschaft vor großen Änderungen

Durch den vorgezogenen Braunkohlenausstieg muss die Renaturierung der Erft noch in diesem Jahrzehnt abgeschlossen sein

Renaturierung der Erft bei Frimmersdorf
Der vorgezogene Ausstieg aus der Braunkohlenverstromung hat auch gravierende Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft der Erft-Region. Mit dem geplanten Ende des Tagebaus Hambach im Jahr 2029 wird die Wasserführung der Erft von heute acht bis zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde bis zum Ende des Jahrzehnts auf drei bis fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde zurückgehen.

Für die Wasserwirtschaft hat dies unmittelbare Auswirkungen. Zum einen ist nun der Zeitraum bis zum Ende der Tagebauaktivitäten klar definiert. Die naturnahe Umgestaltung der Erft muss in einem Zeitraum von knapp zehn Jahren erfolgen. Der Erftverband muss zuvor die Renaturierungsflächen bzw. vergleichbares Tauschland erwerben. „Ohne das Beschleunigen von Genehmigungsverfahren und das Bereitstellen von zusätzlichen Fördermitteln wird die Umgestaltung der Erft in dieser kurzen Zeit kaum gelingen“, so Dr. Bernd Bucher, Vorstand des Erftverbandes.

Das zur Aufnahme der Sümpfungswasser aus den Braunkohlentagebauen begradigte und stark ausgebaute Gewässerbett ist für die zukünftig deutlich geringeren Wassermengen viel zu groß dimensioniert. Um die Erft leistungsfähig und das Ökosystem „Gewässer“ in Funktion zu halten, muss der Erftverband die Erft naturnah umgestalten. Dabei sind stets die Belange des natur- und Artenschutzes, des Bodenschutzes, des Wasserrechts sowie des Denkmalschutzes zu berücksichtigen.

Um die Erft zwischen Bergheim und der Erftmündung bei Neuss-Grimlinghausen an die zukünftig geringeren Wassermengen anzupassen, wurde das Perspektivkonzept Erft entwickelt. Von den im Konzept beschriebenen Planabschnitten wurde bereits die Erft bei Bergheim-Kenten, Bedburg, Frimmersdorf und bei Neuss-Holzheim im Bereich der Museumsinsel Hombroich renaturiert.

Derzeit laufen die Planungen für den Abschnitt bei Neuss-Gnadental. Seit März 2020 liegt die Planfeststellung der Bezirksregierung Düsseldorf vor. Der Erftverband erarbeitet voraussichtlich bis Oktober die Ausführungsplanung. Danach erfolgt die Ausschreibung der Bauleistungen. Der Erftverband rechnet im Frühjahr 2021 mit dem Beginn der Arbeiten am Gewässer.

Hintergrund
Im Jahr 2005 erstellte eine Expertengruppe aus Vertretern des Landesumweltministeriums, des Erftverbandes, der RWE Power AG, der Landesumweltverwaltung, der Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf, aller beteiligten Kommunen und Kreise sowie der Landwirtschaft, der Naturschutzverbände und der Fischerei das Perspektivkonzept Erft, das die naturnahe Umgestaltung der Erft bis zum Jahr 2045 vorsah. Das Konzept unterteilt die Erft ab Bergheim bis zur Mündung in den Rhein bei Neuss in 23 Abschnitte, für die jeweils eigene Planungsszenarien entworfen wurden. Diese Szenarien zeigen die zukünftige Entwicklung auf und verweisen auf eine nachhaltige Gewässerentwicklung.

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