Retentionsbodenfilter Rheinbach in Betrieb genommen

Das Becken dient der Kläranlage Rheinbach als 4. Reinigungsstufe

Gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Raetz haben der Verbandsratsvorsitzende des Erftverbandes, Dr. Uwe Friedl, und Vorstand Dr. Bernd Bucher den Retentionsbodenfilter Rheinbach am 18. September in Betrieb genommen. Die Arbeiten dauerten rund 18 Monate und kosteten zirka 3,6 Millionen Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte den Bau und die begleitende Forschung zu mehr als 60 Prozent.

„Der Bodenfilter hält bei starken Niederschlägen nicht nur das Mischwasser aus der Kanalisation zurück. Bei Trockenwetter dient er der Kläranlage Rheinbach darüber hinaus als 4. Reinigungsstufe, die aus dem bereits gereinigten Abwasser zusätzlich Spurenschadstoffe entfernt, z. B. Rückstände von Arzneimitteln, Pestiziden oder Industriechemikalien“, so Dr. Uwe Friedl. „Die Anlage ist in dieser Art einmalig in Deutschland und hat Pilotcharakter bei der Elimination von Spurenstoffen und der Diskussion um den Ausbau der Kläranlagen.“

Der Bodenfilter verfügt über eine Filterfläche von rund 5.000 Quadratmetern und kann zirka 12,3 Millionen Liter Wasser speichern. Nach der Reinigung wird das Wasser stark gedrosselt in den Wallbach abgeben.

Das Besondere des Rheinbacher Retentionsbodenfilters besteht im Aufbau der Filterschicht. Konventionelle Bodenfilter – der Erftverband betreibt insgesamt 34 Anlagen – verfügen über einen mit Schilf bepflanzten Sandkörper, durch den das bei Starkregen zur Entlastung der Kanalisation zwischengespeicherte Mischwasser gefiltert wird. Dadurch werden ungelöste und gelöste Schmutzstoffe entfernt.

In Rheinbach besteht der Bodenfilter aus einem Gemisch aus Filtersand und granulierter Aktivkohle. Dadurch erhöht sich die Filterleistung des Beckens deutlich. Versuchsergebnisse an einem auf der Kläranlage Rheinbach aufgebauten Modellbodenfilter zeigen, dass das vom Erftverband maßgeblich entwickelte Verfahren Spurenschadstoffe zu mehr als 80 Prozent aus dem gereinigten Abwasser entfernt.

Anders als bei technischen Aktivkohlefiltern beruht die Reinigungsleistung eines Retentionsbodenfilters wie in Rheinbach auf mikrobiologischen Vorgängen, die sich in der Bodenzone abspielen. Der Erftverband geht davon aus, dass die Spurenschadstoffe zunächst an der Aktivkohle festgehalten und so aus dem gereinigten Abwasser entfernt werden. Langfristig werden sie aber im Bodenfilter biologisch abgebaut, so dass sich die Aktivkohle langsamer als in technischen Filtern erschöpft bzw. teilweise biologisch regeneriert. Ein Austausch der Bodenschicht ist daher zunächst nicht erforderlich.

Der Betrieb des Rheinbacher Retentionsbodenfilters als 4. Reinigungsstufe der Kläranlage Rheinbach wird zeigen, ob das Verfahren dauerhaft zur Elimination von Spurenstoffen geeignet ist und damit auch eine wirtschaftliche Alternative zur Nachrüstung von Kläranlagen darstellt.

[Bergheim, 18. September 2019]

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