Retentionsbodenfilter Rheinbach: Einbau der Aktivkohlefilterschicht beginnt

Bürgermeister Stefan Raetz (li) und Vorstand Norbert Engelhardt (re) mit dem Aktivkohlesubstrat

Die Arbeiten am neuen Retentionsbodenfilter des Erftverbandes in Rheinbach liegen voll im Zeitplan. Nachdem das Erdbecken angelegt und abgedichtet wurde, wird im nächsten Arbeitsschritt die Aktivkohleschicht eingebaut. Diesen wichtigen Bauabschnitt nahmen Bürgermeister Stefan Raetz und Norbert Engelhardt, Vorstand des Erftverbandes, am 23. August zum Anlass, um die Anlage der Öffentlichkeit vorzustellen.

„Die Kombination von Niederschlagswasserbehandlung und Spurenstoffentfernung in einer naturnahen Anlage ist bisher einmalig in Deutschland. Für die Fachwelt hat die Anlage Pilotcharakter. Für die Region ist sie ein bedeutender Baustein zur ökologischen Verbesserung des Wallbachs und des Swistbachs“, so Bürgermeister Stefan Raetz.

Der Retentionsbodenfilter verfügt über eine Filterfläche von rund 5.000 Quadratmetern. Bei starken Niederschlägen kann er zirka 12,3 Millionen Liter mit Schmutzwasser vermischtes Regenwasser zwischenspeichern und später stark gedrosselt in den Wallbach abgeben. „Das Besondere des Rheinbacher Filters besteht darin, dass wir zusätzlich zu der Schicht mit Filtersand auch eine Schicht granulierte Aktivkohle in das Becken einbauen werden. Das gespeicherte Mischwasser durchströmt beide Schichten. Dadurch werden nicht nur ungelöste und gelöste Schmutzstoffe zurückgehalten, sondern darüber hinaus auch Spurenstoffe wie Arzneimittel-, Pestizid- oder Industriechemikalienrückstände“, erklärt Norbert Engelhardt.

Im Rahmen von zwei Forschungsprojekten hat der Erftverband Retentionsbodenfilter im halbtechnischen Maßstab untersucht und dabei nachgewiesen, dass das Beimischen von Aktivkohle die Spurenstoffelimination auf mehr als 80 Prozent steigert. Der Erftverband setzt dieses Verfahren mit dem Retentionsbodenfilter Rheinbach nun großtechnisch um, indem der verbesserte Bodenfilter bei Trockenwetter als nachgeschaltete vierte Reinigungsstufe für die Kläranlage genutzt wird.

Anders als bei technischen Aktivkohlefiltern beruht die Reinigungsleistung von Retentionsbodenfiltern auf mikrobiologischen Vorgängen, die sich in der Bodenzone abspielen. Die Spurenstoffe werden zunächst an der Aktivkohle festgehalten und so aus dem Abwasser entfernt. Langfristig werden sie biologisch abgebaut, so dass sich die Aktivkohle langsamer als in technischen Filtern erschöpft bzw. teilweise biologisch regeneriert.

Die Arbeiten am Retentionsbodenfilter Rheinbach begannen im Februar und dauern voraussichtlich bis Dezember 2018. Sie kosten rund 3,6 Millionen Euro. Für den Bau der Anlage und die begleitende Forschung erhält der Erftverband vom Land NRW eine Förderung von mehr als 60 Prozent. Zum Abschluss der Arbeiten wird das Becken mit Schilf bepflanzt. Nach einer rund sechsmonatigen Anwuchsphase ist das Filterbecken voraussichtlich im Sommer 2019 betriebsbereit.

[Bergheim, 23. August 2018]

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