Masterplan Abwasser 2025 schreitet voran

Erftverband baut drei Verbindungskanäle, um die Kläranlagen Mechernich-Floisdorf, Mechernich-Glehn und Nettersheim-Pesch stillzulegen


Nachdem bereits acht Kläranlagen seit 2014 vom Netz gegangen sind, bereitet der Erftverband derzeit die Außerbetriebnahme der Kläranlagen Mechernich-Floisdorf, Mechernich-Glehn und Nettersheim-Pesch vor. Um das Abwasser der Ortslagen zur nächstgelegenen Kläranlage zu transportieren, baut der Erftverband jeweils einen neuen Verbindungskanal.

Im März begannen die Arbeiten am Verbindungskanal von Floisdorf nach Eicks, die weitgehend abgeschlossen sind. Dort schließt die rund 1,1 Kilometer lange Druckleitung an das Kanalnetz an, die das Abwasser zum Gruppenklärwerk Obergartzem-Enzen transportiert. Die Kosten belaufen sich auf rund 420.000 Euro. Die Kläranlage Floisdorf wird voraussichtlich 2021 stillgelegt.

Auch die Kläranlage Mechernich-Glehn ist technisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik und müsste aufwändig saniert werden. Daher wird der Erftverband die Anlage stilllegen und eine rund 1,65 Kilometer lange Druckleitung bis zur K27 bauen, um das Abwasser zum Gruppenklärwerk Obergartzem-Enzen überzuleiten. Zwei weitere neue Kanalleitungen von der K27 bis nach Eicks sowie von Eicks nach Gehn werden im Zuge der Arbeiten von der Stadt Mechernich gebaut. Die Planungen des Erftverbandes sind abgeschlossen. Erste vorbereitende Arbeiten haben im Februar stattgefunden.

Die Kläranlage Nettersheim-Pesch ist mit einer Anschlussgröße von 800 Einwohnerwerten die kleinste Kläranlage des Erftverbandes. Die Bauarbeiten am zirka 1,96 Kilometer langen Verbindungskanal nach Gilsdorf starteten Ende Januar 2020. Sie kosten rund 1,9 Millionen Euro und werden voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann die Kläranlage Ende 2020/Anfang 2021 vom Netz gehen.

Der Bau der drei Verbindungskanäle erfolgt im Rahmen des Masterplans Abwasser 2025. Das im Jahr 2013 erstellte Konzept sieht vor, kleine und unwirtschaftliche Kläranlagen stillzulegen und das Abwasser überzuleiten auf die großen, leistungsfähigen Klärwerke des Verbandes. Dadurch nutzt der Erftverband diese größeren Anlagen effizienter aus und verhindert hohe Investitionskosten für die Sanierung alter Anlagen.

Das Zusammenlegen von Kläranlagenstandorten wirkt sich auch positiv aus auf den Bereich der Klärschlammverwertung und Entsorgung. So lassen sich die Klärschlammtransporte zwischen den verbleibenden Standorten deutlich verringern.

Durch Reinigen des Abwassers auf wenigen großen Anlagen reduziert sich insgesamt auch der Stromverbrauch. Der Erftverband verstärkt dies durch Einsatz energieeffizienter Maschinen und Anlagen. Auch regenerative Energien aus Wind, Sonne und Klärgas spielen bis zum Jahr 2025 eine immer stärkere Rolle. Seit 2006 konnte der Erftverband den Stromverbrauch seiner Kläranlagen kontinuierlich von 43,3 Millionen Kilowattstunden auf 33,3 Millionen Kilowattstunden im vergangenen Jahr senken. Fast 40 Prozent dieser Strommenge – rund 13 Millionen Kilowattstunden – erzeugte der Verband selbst aus Klärgas und zu einem geringeren Anteil aus Photovoltaikanlagen. Das bei der Abwasserreinigung anfallende Gas wird auf 16 der 32 Kläranlagen des Erftverbandes in Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt und direkt auf den Kläranlagen genutzt.

Der Masterplan Abwasser 2025 des Erftverbandes berücksichtigt darüber hinaus Entwicklungen im Bereich der Niederschlagswasserbehandlung und Kanalisation.

In seinem rund 2.000 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet entsorgt und reinigt der Erftverband das Abwasser von rund 1,2 Millionen Menschen und Industriebetrieben. Hierzu betreibt der Erftverband heute 32 Kläranlagen, 144 Pumpstationen, 442 Regenbecken und drei Kanalnetze.

Bauwerke und Anlagen der Abwassertechnik sind langfristige Investitionsgüter. Die wirtschaftliche Lebensdauer von Kläranlagen beträgt rund 30 Jahre, die Lebensdauer von Kanälen sogar mehr als 60 Jahre. Die Bedeutung dieser Anlagen für die Gesundheit der Bevölkerung, den Natur- und Umweltschutz und den Schutz von Gebäuden und Siedlungen übersteigt den rein finanziellen Wert deutlich. Der Erftverband verfolgt daher das Ziel, seine technischen Anlagen und Maschinen nachhaltig zu bewirtschaften, zu erhalten und zu verbessern.

[Bergheim, 10. Juni 2020]