Erftverband testet Verfahren zur Beseitigung von Spurenstoffen

Durch bessere Laborverfahren und Analysegeräte gelingt es mittlerweile, auch kleinste Spuren von Industriechemikalien oder Medikamenten im Wasser nachzuweisen. Damit rücken diese Stoffe in den Fokus der Abwasserreinigung, denn sie werden bislang in den Kläranlagen nur in geringem Maß aus dem Abwasser entfernt. Große Teile dieser sogenannten Spurenstoffe können deshalb über das gereinigte Wasser in Flüsse und Seen gelangen. Immer häufiger wird daher der Ruf nach einer „vierten Reinigungsstufe“ laut, die nach der mechanischen und biologischen Reinigung und einer vielfach beim Erftverband betriebenen Filtration auch Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernen soll.

Der Erftverband plant daher auf zwei seiner Kläranlagen zwei unterschiedliche Verfahren zur weitergehenden Behandlung des Abwassers zu testen. Auf der Kläranlage Bergheim-Glessen wird der Verband eine Aktivkohlefilter-Anlage einbauen, um Spurenstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern. Die Kläranlage in Glessen ist für den Test besonders geeignet, da sie mit einer Membranbelebungsanlage arbeitet. Hierbei wird das gereinigte Abwasser durch schlauchartige Membranen gefiltert, deren winzige Filterporen sämtliche Feststoffe und sogar Bakterien und Viren zurückhalten. Das gereinigte Abwasser hat dadurch bereits Badegewässerqualität. Mit diesem hohen Reinigungsgrad werden gute Bedingungen für einen effektiven aber auch wirtschaftlichen Betrieb eines solchen zusätzlichen Aktivkohlefilters erwartet. Nach Gesprächen mit dem Landesumweltministerium NRW (MKULNV) ist eine hohe Förderung durch das Land NRW zu erwarten. Der Erftverband wird mit den Arbeiten beginnen, sobald eine Förderzusage vorliegt. Die Testanlage auf der Kläranlage Glessen kostet rund 900.000 Euro.

In Rheinbach wird der Erftverband ein bestehendes Retentionsbodenfilterbecken testweise als vierte Reinigungsstufe nutzen. Üblicherweise nehmen die mit Sand gefüllten und mit Schilf bewachsenen Retentionsbodenfilterbecken bei Starkregen das Mischwasser aus der Kanalisation auf. Die Sandschicht filtert das Mischwasser und hält gelöste Schadstoffe zurück. Kanalisation und Gewässer werden entlastet. Da diese Anlagen nur wenige Tage im Jahr – bei starken Niederschlägen – in Betrieb sind, hat der Erftverband ein Konzept erstellt, um sie während Trockenwetterphasen als zusätzliche Reinigungsstufe von Kläranlagen zu nutzen. Der Erftverband erwartet, dass die noch im gereinigten Abwasser vorhandenen Spurenstoffe, z. B. Arzneimittel, Körperpflegemittel, Biozide oder Industriechemikalien, effektiv zurückgehalten werden. Der Testbetrieb beginnt voraussichtlich nach Fertigstellung der Anlage Ende 2016. Er dauert zirka 18 Monate. Anschließend wird der Erftverband auch hier entscheiden, ob das Verfahren auf andere Anlagen des Verbandes übertragen werden kann. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,7 Millionen Euro.

[Bergheim, 1. Juli 2014]

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