Dormagen-Gohr: Brunnenstandorte festgelegt

Brunnenstandorte vorgestellt

Von außen sehen sie unspektakulär aus: Drei schallgedämmte und glasfaserverstärkte Kunststoffgehäuse im Bereich der Straße, die jeweils drei Meter lang und eineinhalb Meter breit und hoch sind. Doch das Innenleben dieser Kästen soll viele Gohrer in Zukunft vor überfluteten Kellern bewahren. Von hier aus führen Rohre 25 Meter unter die Erde. In zehn Meter Tiefe werden Pumpen sitzen, die zwischen 100 und 200 Kubikmeter Wasser pro Stunde aus dem Untergrund fördern können. Die Brunnenanlagen sind Bestandteil der so genannten „Kappungslösung“, die vereinbart wurde, um Vorsorge für den Wiederanstieg des Grundwassers durch den abwandernden Braunkohletagebau zu treffen. Mehr als 120 Hauseigentümer im Unterdorf leisteten dazu vor zwei Jahren bereits ihren Beitrag. Um langfristig Sicherheit zu gewinnen und einen Wertverlust ihrer Immobilien abzuwenden, zahlten sie rund 7.900 Euro pro Gebäude. Die Stadt Dormagen übernimmt ein Fünftel der Bau- und Betriebskosten und der Rhein-Kreis Neuss steuert einen Zuschuss von zehn Prozent zu den Investitionen bei.

Jetzt hat der Erftverband, der für die Planung und Umsetzung dieser Lösung zuständig ist, die Standorte der drei Brunnen festgelegt. Sie werden an der Friedrich-Hinsen-Straße im Bereich der Häuser Nummer 4a und 18 und an der Bruchstraße neben dem Haus Nummer 14 errichtet. „Die Lage der Brunnen basiert auf einem umfangreichen Berechnungsmodell. So kann der Anstieg des Grundwassers am besten begrenzt werden“, erklärt Dr. Bernd Bucher, ständiger Vertreter vom Vorstand des Erftverbandes. Die Bürgerinitiative „Arche Gohr“ und die betroffenen Anwohner wurden über die geplanten Standorte bereits informiert. Was den Lärmschutz angeht, erläutert Thomas Wedowski von den Technischen Betrieben Dormagen: „Störende Auswirkungen sind nicht zu erwarten, weil die Pumpen im Bedarfsfall tief unter der Erde arbeiten. Dies belegen auch die Erfahrungen in Korschenbroich, wo solche Brunnen bereits seit längerem in Betrieb sind.“ Die farbliche Gestaltung der Gehäuse soll mit den Nachbarn und der „Arche Gohr“ noch abgestimmt werden.

Wann die Brunnen dann gebaut werden, hängt davon ab, wie sich der Grundwasseranstieg in den kommenden Jahren entwickelt. Nach den Messungen des Erftverbandes schwankt der Pegel derzeit zwischen 37,4 und 37,8 m über Normalhöhennull (NHN). „Ab Überschreitung der kritischen Marke von 39,0 m über NHN über ein Jahr bzw. 39,2 m über NHN über sechs Monate werden wir die Brunnen errichten, um Grundwasserspitzen zu kappen“, erklärt Stefan Simon, Abteilungsleiter Grundwasser beim Erftverband. Auf der städtischen Website www.dormagen.de können die Hauseigentümer in Gohr die aktuellen Grundwasserstände verfolgen. Zur regelmäßigen Beobachtung wird der Erftverband in diesem Jahr auch noch zwei zusätzliche Messstellen im Norden an der Ecke Karl-Küffler-Straße/Gohrer Graben und im Süden in Höhe des Fliederwegs bohren.

„Die jetzt festgelegten Brunnen-Standorte sind ein weiterer wichtiger Schritt, um die gemeinsam mit den Bürgern gefundene Lösung umzusetzen“, sagt Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Wir sind froh, dass es in der Sache vorangeht und nun alle erforderlichen Vorbereitungen für den Tag X mit dem Erreichen der kritischen Grundwassermarke getroffen sind“, macht Arno Neukirchen als Sprecher der „Arche Gohr“ deutlich. „Übrigens können Betroffene, die sich an der gemeinschaftlichen Lösung bisher nicht beteiligt haben, dies immer noch tun.“

Info
Das in Gohr geplante Konzept zur wasserwirtschaftlich verträglichen Kappung von Grundwasserspitzen wird schon erfolgreich in Korschenbroich praktiziert (www.grundwasser-korschenbroich.de). Unter heutigen vom Bergbau beeinflussten Grundwasserverhältnissen können mit Hilfe des Maßnahmenkonzepts ca. 900 Gebäude vor vernässungsbedingten Gebäudeschäden geschützt werden. Erst nach Beendigung des Tagebaus Garzweiler, voraussichtlich Mitte des Jahrhunderts, stehen in einer zweiten Stufe weitergehende Maßnahmen an.

[16. August 2016]

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