Erftverband Bergheim - 150Jahre Wasserwirtschaft für unsere Region

Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Eicherscheid

Im oberen Erfteinzugsgebiet ist es aufgrund von lokalen Starkniederschlagsereignissen immer wieder zu Hochwasserereignissen mit hohen Schäden gekommen. Zwischen 1953 und 1961 traten mehrere Schadensereignisse kurz aufeinander folgend auf und verdeutlichten das Problem intensiv. Dabei überragte das Ereignis 1956 die anderen bei weitem (Katastrophenmeldung). Auf der Grundlage früherer Arbeiten – z. B. im Erftplan 1942 – wurde an einem damals untersuchten Talsperrenstandort vom gerade frisch gegründeten Großen Erftverband die erforderlichen Arbeiten zur Aufstellung der Entwurfsunterlagen für das HRB Eicherscheid begonnen. 1970 wurde die Planfeststellung nach verschiedenen Vorgenehmigungen und Planergänzungen beantragt. Auf der Grundlage dieser Genehmigungen zum vorzeitigen Beginn wurde das HRB Eicherscheid errichtet und nahm offiziell 1976 seinen Betrieb auf.

Flyer "Hochwasserrückhaltebecken Eicherscheid"

Im Vorgriff wurde die Landstraße L 163 zwischen Eicherscheid und Schönau, die im Talraum verlief, in den östlichen Hangbereich über der zukünftigen Stauhöhe verlegt. Die erforderlichen Flächen wurden im Rahmen einer Flurbereinigung beschafft.

Aufgrund von Forderungen von am Verfahren beteiligten Institutionen wurde das Becken mit der Auflage versehen, einen ca. 20.000 m³ großen Dauerstau zu errichten. Der Dauerstau an sich bildet zwar einen reizvollen Anziehungspunkt, aber für die Gewässergüte der Erft stellt er eine große Belastung dar, da im Sommer die Wasserführung der Erft zu enorm langen Verweilzeiten des Wassers im Dauerstau mit entsprechender Erwärmung und Remobilisierung von Schadstoffen führt. Hierdurch wird die Erft auf einem längeren Teilstück im Unterwasser massiv belastet. Darüber hinaus bildet das Absperrbauwerk des HRB´s für die Organismen in der Erft eine unüberwindliche Barriere.


Für den Hochwasserschutz der Ortslagen unterhalb hat das HRB Eicherscheid jedoch bislang vielfach seine Funktion erfüllt. Hier ragt das Hochwasserereignis vom 27.09.2007 besonders heraus. Im oberen Erfteinzugsgebiet und insbesondere im Einzugsgebiet des Nebengewässers "Eschweiler Bach" kam es zu extremen Niederschlägen mit mehr als 100 mm an einem Tag und zu einem Abfluss eines 1000-jährlichen Hochwasserereignisses. Hier konnte mit Hilfe des HRB´s Eicherscheid durch die komplette Drosselung der Abgabe während der Hochwasserspitze aus den anderen Nebengewässern große Schäden vermieden bzw. reduziert werden.

Durch regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen und Wartungsarbeiten wird das Becken jederzeit einsatzbereit und auf einem technisch guten Stand gehalten. Auch zukünftig werden Änderungen und Anpassungen erforderlich sein, um das Becken für seine Bestimmung zu erhalten und nachteilige Auswirkungen auf Menschen und Umwelt zu vermeiden und zu reduzieren. Hierzu gehört auch die Überlegung, den Dauerstau aufzugeben, um die Belastung der Erft an dieser Stelle zu vermeiden.

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Karl-Heinz Beier (02271) 88-1293