Das Wasser der Erft unterhalb von Bergheim ist vergleichsweise warm. Zwar steigt die Temperatur im Sommer nicht höher als in anderen sogenannten sommerwarmen Gewässern, doch im Winter, wenn benachbarte Bäche bereits gefrieren, fällt die untere Erft nicht unter 10 °C. Ursache ist das für die Trockenhaltung der Braunkohlentagebaue gehobene Grundwasser, das mit Temperaturen bis 24 °C an mehreren Stellen eingeleitet wird. Die Einleitmenge, die in den 60er und 70er Jahren zeitweise 25 m3/s überstieg, liegt heute mit etwa 8 m3/s immer noch über der im Unterlauf natürlichen Abflussmenge.
Das erwärmte Wasser ermöglicht wärmeliebenden Tieren und Pflanzen aus den Tropen oder Subtropen, die hierzulande spätestens im Winter verenden, das Überleben, teilweise sogar die Vermehrung in der Erft. Schon 1966 fand sich eine in Indien beheimatete Rotalge, deren schmutziggrüne Triebe meterlang werden können.
Auffälliger sind die teilweise dichten Bestände des aus Südamerika stammenden Wassertausendblatts und der Dichtblättrigen Wasserpest, beides beliebte Aquarienpflanzen. Insgesamt sind fünf wärmeliebende Pflanzenarten (neben 14 heimischen) regelmäßig in der Erft zu finden.
Abb. 1: Wassertausendblatt in der Erft |
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Auch unter den Tieren der Erft gibt es "Neubürger" (Neozoen), die aber nicht unbedingt auf das erwärmte Wasser angewiesen sind. So stammt der sich offensichtlich in den Nebengewässern der Erft vermehrende Blaubandbärbling aus dem östlichen Russland und nördlichen Asien, während der Sonnenbarsch in Nordamerika beheimatet ist. Ausgesetzte Schmuckschildkröten nutzen die Erft als winterliches Rückzugsgebiet, kommen aber auch in kühleren Gewässern vor. Eindeutig wärmeliebend ist dagegen ein seit den 60er Jahren zahlreich vorkommender Strudelwurm. Weitere Neozoen wie nordamerikanische Kamberkrebse, chinesische Wollhandkrabben, Istrische Asseln und asiatische Körbchenmuscheln wandern vom Rhein ausgehend in die Erft. Während diese über Schiffe und Kanäle wie den Rhein-Main-Donau-Kanal in unsere Gewässer gelangen, stammen die wärmeliebenden Arten meist aus Aquarien. Der Großteil der Zuwanderer schafft es nicht, sich dauerhaft in der Erft zu etablieren. Letzteres gilt z.B. für die aus der Heimtierhaltung (!) stammenden Verwandten des weniger gefährlichen, aber berüchtigten Piranha, die zum Erstaunen der Angler und Freude der Sensations-Presse bisher dreimal aus der Erft gezogen wurden.