Erftverband Bergheim - 150Jahre Wasserwirtschaft für unsere Region

Online-Monitoring

Um die chemisch-physikalischen Wasserbeschaffenheit der oberirdischen Fließgewässer weitergehend zu erkunden, unterhält der Erftverband an sechs Probestellen automatisch arbeitende Gewässergütemessstationen. Dort werden kontinuierlich die chemisch-physikalische Merkmale für wasserwirtschaftlich bedeutsame Substanzen festgestellt. Mit den Ergebnissen aus den genannten chemisch-physikalischen Untersuchungen erhält der Verband einen guten Einblick über die mit den Fließvorgängen im Gewässer in der Wassersäule transportierten Inhaltsstoffe.

Der Erftverband betreibt zwei Stationen, bei denen die Messgeräte direkt im Fluss installiert sind (In-Situ Prinzip). Eine dieser Gewässergütemessstationen ist im Oberlauf der Erft am Auslass des Hochwasserrückhaltebeckens Eicherscheid eingerichtet. Das Hochwasserrückhaltebecken ist im Hauptschluss des Gewässers angeordnet und wird im Dauerstau betrieben. Besonders in der Vegetationsperiode können die Sauerstoffgehalte der Erft durch den Betrieb des Hochwasserrückhaltebeckens beeinträchtigt werden. Tagsüber kann durch verstärktes Algenwachstum zu viel Sauerstoff produziert werden. In der Nacht verbrauchen Wasserpflanzen Sauerstoff, so dass sich kritische, niedrige Konzentrationen einstellen können.

Eine weitere Station nach dem In-Situ Prinzip ist ebenfalls im oberen Einzugsgebiet der Erft an dem Auslass des Burgfeyer Stollens eingerichtet. Der Burgfeyer Stollen, der im Zuge des damaligen Erzbergbaus bei Mechernich angelegt wurde, entwässert die dortige, ehemalige Erzgewinnungsstätte. Wenn das schwer zugängliche Stollengefüge zu Bruch geht, würden Schwermetalle in reichlichem Maße ausgespült. In diesem Fall können Cadmium, Zink, Nickel und Kobalt in einem wesentlichen höheren Maße als derzeit in die Gewässer gelangen. An Hand der in dieser Messstation gemessenen Parameter, beispielsweise der Trübung, kann der ordnungsgemäße Wasserabfluss aus dem Mechernicher Erzberg und damit die Stabilität des Stollengefüges kontinuierlich überwacht werden.

Unterhalb der Stadt Euskirchen ist eine der vier Gewässergütemessstationen, die nach dem On-Site Verfahren konzipiert sind, eingerichtet. Diese Station liefert einen Überblick über die Wasserbeschaffenheit der Erft im Oberlauf. Dieses Teilgebiet der Erft ist geprägt durch die kühlen Eifelbäche. Außerdem werden die gereinigten Abwässer der dortigen Siedlungslagen über die kommunalen Kläranlagen und im Entlastungsfall grob mechanisch gereinigtes Abwasser aus den Mischkanalisationen in die Fließgewässer eingeleitet. Nennenswerte Industrieeinleitungen in Stadt Bad Münstereifel und in Euskirchen werden in der Gewässergütemessstation Euskirchen mit erfasst. Ein besonderes Problem in diesem Monitoringabschnitt stellen die über den Veybach aus der ehemaligen Erzgewinnungsstätte Mechernich herangeführten Schwermetalle dar. Deshalb werden die Schwermetalle in der Gewässergütemessstation ständig am Beispiel von Nickel gemessen. Die Gewässergütemessstation Euskirchen ist auf dem Gruppenklärwerk Euskirchen-Kessenich in unmittelbarer Nähe der Erft angesiedelt. Das Wasser der Erft wird für die kontinuierliche Messung oberhalb der Einleitstelle der Kläranlage entnommen.

Ein bedeutender Nebenlauf für die Erft hinsichtlich der Wasserbeschaffenheit ist die Swist. Aus diesem Grund ist an der Swist in Mündungsnähe zur Erft eine Gewässergütemessstation auf einem ehemaligen Klärwerk errichtet worden. Diese Station gibt einen summarischen Eindruck über die Schwankungsbreite der wesentlichen güterelevanten Parameter und erlaubt im Zusammenhang mit dem korrespondierenden Wasserstand-Abflusspegel bei Weilerswist Aussagen über die Stofffrachten, vornehmlich die wasserlöslichen Komponenten. Prägend für die Wasserbeschaffenheit der Swist sind die kommunalen Kläranlagen der Siedlungslagen im Großraum Bonn und im Ereignisfall die Entlastungen der großen Kanalisationsnetze im Mischverfahren


On-Site Monitoring und Fließschema der Erft


Eine dritte On-Site Station zur Feststellung der Wasserbeschaffenheit der Erft ist unterhalb der Ortslage Bergheim gelegen. Diese Station gibt einen Überblick zu den güterelevanten Verhältnissen im Mittellauf der Erft. Ein großer Teil des gehobenen Grundwassers im Zusammenhang mit der Trockenhaltung der Braunkohlentagebaue wird in der Monitoringzone Bergheim in die Erft eingeleitet. Die Sümpfwassereinleitungen prägen den Wasserabfluss und die Wasserbeschaffenheit der Erft im Mittel- und Unterlauf. Zwischen den Messstationen Euskirchen und Bergheim münden mit der Swist, dem Rotbach und dem Neffelbach bedeutende Nebenläufe in die Erft. In der Monitoringzone Bergheim sind die Mehrzahl der Kläranlagen des Flussgebiets Erft gelegen.

In der Nähe der Mündung zum Rhein wird unterhalb der Stadt Grevenbroich die Gewässergütemessstation Münchrath betrieben. Drei der größten Kläranlagen befinden sich in diesem Abschnitt. Die Station wurde auf dem Gelände einer Betriebsstelle zur Gewässerunterhaltung errichtet. Weiter unterhalb bot sich kein adäquates Gelände, so dass auf die Miterfassung des dortigen Nebenlaufs Gillbach verzichtet wurde.

Alle vier On-Site Monitoringstationen sind nahezu identisch im Design und in der Auswahl der Parameter. Es werden folgende Parameter gemessen:

  • Wasser- und Lufttemperatur;
  • Sauerstoffkonzentration;
  • Leitfähigkeit;
  • pH-Wert;
  • Trübung;
  • Stickstoffkomponenten (Ammoniumstickstoff, Summe Nitrit- / Nitratstickstoff);
  • Ortho-Phosphatphosphor.

 

Die Abbildung zeigt die Gewässergütemessstation Münchrath in der Innenansicht.


Innenansicht (360° Rundumblick) der Gewässergütemessstation Münchrath (Prinzip: On-Site im Online-Betrieb).


Ansprechpartner:
Dr. rer. nat. Ekkehard Christoffels  (02271) 88-1109