Erftverband Bergheim - 150Jahre Wasserwirtschaft für unsere Region

Grundwasserstand

Der überwiegende Teil des Erftverbandsbereichs gehört geologisch zum großen Senkungsfeld der Niederrheinischen Bucht, die - in mehrere Schollen gegliedert - zwischen Aachen, Bonn und Düsseldorf keilförmig in das Rheinische Schiefergebirge einschneidet. Hier haben sich in Jahrmillionen der erdgeschichtlichen Neuzeit bis zu 1.200 Meter mächtige Kies-, Sand- und Tonschichten abgelagert. Durch den steten Wechsel von durchlässigen und schwer durchlässigen Schichten sind Grundwasserstockwerke entstanden, in denen große Mengen Grundwasser fließen.

Zwischen den Gesteinsablagerungen finden sich Braunkohlenflöze. Die Braunkohle dieser größten Lagerstätte Westeuropas wird in 300 Meter, zukünftig bis zu 450 Meter tiefen Tagebauen abgebaut. Um die tiefen Abbaubereiche trocken zu halten, muss zur Zeit jährlich eine Grundwassermenge von mehr als 500 Millionen Kubikmetern gehoben bzw. gesümpft werden. Diese Sümpfung erzeugt eine Grundwasserabsenkung, die sich weiträumig über die Tagebaubereiche hinaus ausdehnt, bis sie schließlich neben den natürlichen Grundwasserstandsschwankungen oder den Einflüssen anderer Grundwasserförderer nicht mehr erkennbar ist.

Insgesamt hat die Grundwasserabsenkung heute im oberen Stockwerk eine Fläche von rund 1.600 Quadratkilometern erfasst. In tieferen Grundwasserstockwerken wirkt sie sich als Druckentspannung über nahezu 3.000 Quadratkilometer aus. Dieser immense Eingriff in den Grundwasserhaushalt bleibt nicht ohne Folgen für die Wasserversorgung: Brunnen fallen trocken, Einzugsgebiete verschieben sich und der Grundwasserzustrom in oberirdische Gewässer und Feuchtgebiete lässt nach oder versiegt.

Um die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt frühzeitig zu erkennen und unerwünschten Entwicklungen entgegen zu steuern, erforscht und überwacht der Erftverband kontinuierlich die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse in seinem Verantwortungsbereich.

Grundlage hierfür ist ein Grundwassermessnetz mit fast 15.000 Messstellen, von denen der Erftverband mehr als 2.000 selbst betreibt und an denen jährlich etwa 200.000 Messwerte erfasst werden.



Abb. 1: Grundwassermessstelle

Grundwassermessstelle


Alle Messungen werden als Grundwasserstandsganglinien dokumentiert und daraus die Höhenlage der Grundwasseroberfläche in den einzelnen Stockwerken in Form von Grundwassergleichenplänen bestimmt. Ihre Änderungen werden regelmäßig in Grundwasserdifferenzenplänen festgehalten. Damit können Menge und Bewegung des Grundwassers ermittelt, menschliche Einflüsse gegenüber natürlichen abgegrenzt und Schlüsse gezogen werden, wie sich der Grundwasserstand in Zukunft verhalten wird.

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Holger Diez (02271) 88-1296
Dipl.-Geoökol. Stefan Simon (02271) 88-1125