Erftverband berichtet zu aktuellen Wasserthemen aus Brüssel, Berlin und Düsseldorf

Am 10. November 2017 fand der 4. Wasserwirtschaftlichen Informationstag des Erftverbandes für seine Mitlieder statt. Mit rund 50 Anmeldungen war der Informationstag, der traditionell Anfang November stattfindet, gut besucht.

Wasserwirtschaft in der Region ist Technik, Naturwissenschaft, Jura und vor allem auch Politik und geht uns alle an. Das ist eines der Ergebnisse dieses Informationstages. Denn die Wasserwirtschaft in der Region ist Grundlage für die Trinkwasserversorgung, die Genehmigung von Industrie- und Gewerbevorhaben wie z. B. Kraftwerke, aber auch für das Erfüllen der ambitionierten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie.

Zu Beginn des Informationstages stellte der Justitiar Per Seeliger die Entwicklung des Wasserrechts dar. Aus europäischer Sicht stellte er vor allem die für 2019 geplante Evaluierung der Wasserrahmenrichtlinie dar, diese ist wesentliche Grundlage aller Entscheidungen der Wasserbehörde. Er berichtete weiter über die Auslegung wichtiger wasserrechtlicher Begriffe durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur sog. Elbevertiefung, insbesondere das Verschlechterungsverbot. Schließlich wies er auf Lösungen hin, wie im Falle der Kanalnetzübernahme wirtschaftliche Vorteile der Gemeinden durch das sog. Zinsdelta erhalten bleiben können.

Der Vorstand des Erftverbandes Norbert Engelhardt berichtete über den neuen IT-Sicherheitsstandard in der Wasserver- und Wasserentsorgung. Diese sei unentbehrliche Grundlage der Daseinsvorsorge und müsse vor den auch hier drohenden Angriffen durch Cyberkriminalität geschützt werden. Als erste Branche überhaupt habe die Wasserwirtschaft einen eigenen Sicherheitsstandard, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationspolitik akzeptiert werde, entwickelt. Die Umsetzung durch technische Vorrichtungen sowie Qualifikation und Sensibilisierung der Mitarbeiter würden zunächst die großen Wasserver- und Abwasserentsorger vor erhebliche Herausforderungen stellen. Klar sei aber, dass künftig auch kleinere Unternehmen dieser Pflichten in absehbarer Zukunft erfüllen müssen.

Der Bereichsleiter Abwasser Heinrich Schäfer sowie der Laborleiter Dr. Michael Trimborn berichteten über die „Spurenstoffagenda Erft“. Die Abwasserwirtschaft in der Region verweigere sich nicht dem Dialog mit der Umweltverwaltung über zusätzliche Anforderungen an die Abwasserreinigung, was beispielsweise für medizinische Wirkstoffe wie Diclofenac, einem Wirkstoff der Salbe Voltaren, betreffe, sondern begleite diesen konstruktiv. Notwendig sei allerdings, zu wissen, welchen Beitrag der Betrieb von Kläranlagen am Vorhandensein solcher Stoffe im Gewässer zu kennen. Hierzu habe es ein ausführliches Forschungsprogramm gegeben, deren Ergebnisse die Referenten vorstellten.

Anschließend berichtete Stefan Simon, Abteilungsleiter Grundwasser, über das mit der RWE Power AG erarbeitete Langfristkonzept zur Sicherstellung der künftigen Wasserversorgung in der Erftscholle. Auf der Grundlage der geologisch-hydrogeologischen Situation sowie Grundwassermodellrechnungen  ist absehbar, dass einige der heute betriebenen Trinkwassergewinnungsanlagen in der Erftscholle wegen des langfristig zu erwartenden Anstiegs der Sulfatkonzentration durch den Abstrom hoch mineralisierten Grundwassers aus Abraumkippen nicht weiter betrieben werden können. Simon stellte Prognosen der Grundwasserströmungs- und Kippenabstromsituation für verschiedene Zeitpunkte dar und erläuterte, dass dem Wassergewinnungsstandort in Dirmerzheim eine zentrale Rolle für die künftige Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser aber auch der Industrie mit Betriebswasser in der nördlichen und mittleren Erftscholle zukommen werde. Da dem Erftverband eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der Wasserversorgung – neben dem bergbautreibenden Unternehmen – zukomme, wurden mit der Wasserwerk Dirmerzheim GbR spezielle Regelungen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit vereinbart.

Schließlich berichtete die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände in NRW (agw) Jennifer Schäfer-Sack, wie der Verband deren Interessen in Brüssel, Berlin und Düsseldorf wahrnehme. So sei die agw als kompetenter Ansprechpartner für die dortigen Institutionen etabliert und bringe dies u. a. durch Stellungnahmen, die auf der Website der agw zu finden seien, zum Ausdruck.

An die Vorträge schloss sich eine teils lebhafte Diskussion an. Die Zuhörer hatten Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu stellen und zeigten sich durchweg zufrieden mit der Auswahl der Themen und deren Inhalt. „Für eine solche Veranstaltung hätten wir bei kommerziellen Veranstaltern mehrere hundert Euro bezahlt“ sagte einer der Teilnehmer am Rande der Veranstaltung. Der Erftverband wird die Tradition fortsetzen und lädt zum 5. Wasserwirtschaftlichen Informationstag für den 09. November 2018 zum Erftverband ein.

 

Per Seeliger

Erftverband

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