Membranfiltration im Gruppenklärwerk Nordkanal (80.000 EW)
Abb. 1: Luftbild Gruppenklärwerk (GKW) Kaarst-Nordkanal
Im Gruppenklärwerk Nordkanal in Kaarst setzt der Erftverband ganz auf moderne Technik.
Am 8. Juli 2004 nahmen die ehemalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn, der damalige Verbandsratsvorsitzende Clemens Pick (MdL), Franz-Josef Moormann als Bürgermeister von Kaarst, und Dr. Wulf Lindner, Vorstand des Erftverbandes, gemeinsam die zu diesem Zeitpunkt größte kommunale Kläranlage der Welt mit Membrantechnologie offiziell in Betrieb.
Seit über zehn Jahren entwickelt und plant der Erftverband mit seinem Stab von Ingenieuren, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Fachfirmen die Einsatzmöglichkeiten der Membrantechnologie in der Abwassertechnik. Hier leisten die Bergheimer Wasserwirtschaftler Pionierarbeit, denn das aus der Wasseraufbereitung bekannte Verfahren kommt bislang bei der kommunalen Abwasserbehandlung kaum zum Einsatz.
Die Vorteile des Verfahrens liegen in der Qualität des gereinigten Abwassers, das nahezu keimfrei ist. Da der Nordkanal, in den das geklärte Abwasser eingeleitet wird, nur eine geringe Eigenwasserführung hat und keine hohe Belastung durch Abwasser verträgt, sind die Anforderungen an die Klärleistung hier besonders hoch. Nachteilig ist jedoch, dass die Betriebskosten derzeit noch etwa 15 Prozent höher sind als bei konventionellen Anlagen.
In Kaarst setzt der Verband die Membranbelebungstechnik erstmals in großem Maßstab um. Das Gruppenklärwerk Nordkanal reinigt jährlich mehr als drei Millionen Kubikmeter Abwasser.
Bis zur biologischen Reinigungsstufe durchläuft das Abwasser alle Stationen einer konventionellen Kläranlage. Ab hier übernehmen Bakterien die Arbeit. Sie eliminieren die im Abwasser enthaltenen Schadstoffe. Durch die direkt in diese sogenannten Belebungsbecken integrierten Membranfiltermodule wird das saubere Wasser herausgefiltert. Die Module bestehen aus einer Vielzahl von dünnen Hohlfasern mit feinsten Poren, die sogar Bakterien zurückhalten.
In Kaarst sind die Vorteile der Membrantechnologie aber auch räumlich sichtbar. Durch das Verfahren hat das Wasser nach der Filtration eine so gute Qualität, dass keine weiteren Reinigungsschritte mehr notwendig sind. Es entspricht den Anforderungen, die die Europäische Union an Badegewässer stellt. Nachklärbecken und Sandfiltration sind nicht mehr erforderlich.
Abb. 2: Hohlfaserkapillar-Membranen
Das Gruppenklärwerk Nordkanal reinigt das Abwasser der Gemeinden Kaarst, Korschenbroich und Neuss. Mit einem Einwohnerwert von 80.000 ist das Klärwerk Nordkanal eine der größten Kläranlagen, die der Erftverband betreibt. Nach der Kläranlage Rödingen ist Nordkanal die zweite Anlage des Verbandes mit Membranbelebung. Eine dritte Anlage in Bergheim-Glessen wurde 2008 in Betrieb genommen
Der Bau wurde gefördert mit Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen.
Gruppenklärwerk (GWK) Nordkanal – Verfahrensschema
Weiterführender Link: [Prospekt Nordkanal]